„Unseren Orden prägt keine herausragende Gründungsgestalt, sondern am Anfang stand das Bemühen einiger Frauen, im Geist des Karmel zu leben“, sagt die Generaloberin der Marienschwestern, Sr. M. Michaela Pfeiffer-Vogl. Die Spiritualität ist die „genetische Anlage“ des Ordens, die auch weiterhin die Gemeinschaft prägen soll.
Von der Gründerin der Marienschwestern gibt es nicht einmal ein Foto, von ihrem Leben weiß man ganz wenig und auch dem Datum des Entstehens der Gemeinschaft haftet mehr Zufälliges als Geplantes an: Maria Böck (1826 bis 1872) legt am 26. Februar 1861 ihre Profess ab, nimmt den Namen Sr. Theresia vom heiligen Josef an und wird mit Erlaubnis des Provinzials der Karmeliten Leiterin einiger Frauen, die in der Spiritualität des Karmel leben wollen. Im Mittelpunkt ihrer Religiosität stehen Gebet und Kontemplation. Die Frauengruppe wohnt in einer Wohnung in der Seilerstätte (nahe dem heutigen Mutterhaus Friedensplatz 1) und verdient ihren Lebensunterhalt – mehr schlecht als recht – durch Näharbeiten und das Anfertigen von Paramenten. Vorrang hatte das geistliche Leben, erst dann kamen die unterschiedlichen Aufgaben, betont Generaloberin Sr. Michaela Pfeiffer-Vogl: Das zeichnet die Gemeinschaft des Anfangs aus und das soll auch in Zukunft ihr Markenzeichen bleiben. Im Unterschied dazu war für eine Reihe von Ordensgemeinschaften, die ebenfalls im 19. Jahrhundert gegründet wurden, die Not von Kindern, die fehlende Schulbildung von Mädchen oder die erbärmliche Gesundheitsversorgung für die Armen Anstoß für deren Gründung.
Entstanden aus kleinen Zellen. Unabhängig von der Gemeinschaft in der Linzer Seilerstätte sind in anderen Orten Oberösterreichs karmelitanische Frauengruppen entstanden, die sich durch die tatkräftige Mithilfe Bischof Franz Joseph Rudigiers zu einer gemeinsamen Ordensfamilie mit Sitz in Linz zusammenschlossen. Datiert ist diese Vereinigung mit 1. Jänner 1877. Der kleinen Kongregation drohte mehrmals die Auflösung, bis 1885 schließlich die staatliche und kirchliche Anerkennung gegeben wurde. Bischof Rudigier hat gleichzeitig mit seinem Einsatz für die Schwestern aber auch die Weichen für deren soziales Engagement gestellt, das bis heute selbstverständlich zum Orden gehört.
Der „schön machende Blick Gottes“. Die Spiritualität des Karmel ist höchst aktuell, sagt Sr. Michaela. Sie ist eine Alltagsspiritualität, die nichts ausschließt, und sie entspricht der tiefen Sehnsucht der Menschen nach der Fülle des Lebens. Der graue Alltag – und sei er noch so banal – ist sinnvoll, wenn er in Beziehung mit Gott und den Menschen gelebt wird. Um zu verdeutlichen, was sie meint, greift die Generaloberin zu einem Wort des Ordensheiligen Johannes vom Kreuz, der davon spricht, dass „wir unser ganz alltägliches Leben mit allen Fehlern und Schwächen dem schön machenden Blick Gottes aussetzen dürfen“.
Die Marienschwestern
Den „Marienschwestern vom Karmel“ gehören 98 Schwestern an (davon fünf in Uganda), zur Provinz Regensburg zählen 24 Schwestern.
- Bekannt ist die Ordensgemeinschaft durch ihre Fachschulen in Erla (NÖ) und die Kneipp-Kurhäuser in Bad Kreuzen, Aspach und Bad Mühllacken. Seit 1911, seit 100 Jahren, kann man bei den Marienschwestern auch kneippen.
- Die Schwestern beschäftigen 256 Mitarbeiter/innen.