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Glück, das Piepsen zu hören

Wenn alles gut heilt, will die derzeit wegen einer Verletzung zur Rennpause gezwungene Evelyn Pernkopf wieder Rennen fahren
Ausgabe: 2011/05, Skifahren, Pernkopf, Glück, Rennpause, Verletzung, Rennen
02.02.2011
- Ernst Gansinger
© ,


Nach einem Kreuzbandriss 2008 hat sich die Ansfeldner Skirennläuferin Evelyn Pernkopf wieder in den Wettkampfsport zurückgekämpft. Erfolgreich. Im März 2010 etwa wurde sie österreichische Staatsmeisterin im Riesentorlauf und war in der heurigen Saison am Sprung in den Weltcup. Ein folgenschwerer Sturz hat sie erneut gestoppt.

Evelyn Pernkopf hat Zeit, bei der Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen, die am 7. Februar – einen Tag nach Evelyns 21. Geburtstag – eröffnet wird, vor dem Fernseher mitzufiebern. Würde sie Rennen fahren, würde sie viele Bewerbe nicht sehen. Seit 19. Dezember 2010 aber ist sie zum Ruhe-Geben gezwungen.

Die Tür zum Weltcup stand offen. Ende Dezember sollte sie am Semmering erstmals bei einem Weltcup-Rennen starten. Der Sturz beim Einfahren zum zweiten Durchgang eines Europacup-Riesentorlaufs in Italien vereitelte dies. Nach dem ersten lag sie als bestplatzierte Österreicherin an dritter Stelle. Sie wurde in den Wald geschleudert, wobei sie schwerste Kniegelenks-Verletzungen erlitt: Das vordere und hintere Kreuzband war ebenso gerissen wie der Innenmeniskus und das Seitenband, die Kniescheibe aus der Halterung gesprungen. Einen Tag später operierte ÖSV-Sportarzt Dr. Christian Hoser die Rennläuferin. Am 28. Dezember begann sie die täglichen Therapien, um die Wundheilung zu unterstützen, die Muskeln aufzubauen, Stück für Stück das lädierte Knie stärker beugen zu können. Vor zwei Wochen hat sie wieder mit dem Oberkörper-Training begonnen.

Freude an der Natur. Auch nach der zweiten und um so viel schwereren Verletzung als der ersten hadert Evelyn Pernkopf nicht. „Das bringt nichts. Ich muss damit leben.“ Mutter Michaela Pernkopf bestätigt: „Evelyn ist nie grantig, immer gut drauf.“ Das Gut-drauf-Sein hängt auch damit zusammen, dass sie sich den Sinn für die Schönheit der Natur bewahrt hat. Etwa für den Sonnenaufgang, wenn es in aller Früh heißt: Hinauf auf den Berg, trainieren!

Man muss viel investieren. Das Skifahren lernte sie von Mama. Bald fuhr sie mit ihrem Papa Manfred Pernkopf mit, der Jugendtrainer ist. Und sie wetteiferte mit dem um vier Jahre älteren Bruder Stephan. „Mit ihm fahre ich noch heute gerne Ski“, freut sie sich. Wie sie das sagt, hat es nicht den Anschein, dass sie daran denkt, dass derzeit gar nicht ans Skifahren zu denken ist. Jedes Wochenende im Winter stand die Familie auf Skiern. Evelyn kam in die Skihauptschule Windischgarsten und später ins Skigymnasium Stams. Dort möchte sie heuer maturieren. Irgendwann kam dann der Kick: „Mit 16, vielleicht 17 Jahren ist mir bewusst geworden, dass Skifahren mein Beruf werden kann, in den ich viel investieren muss.“ Wenn sie das Training einmal nicht so freut, denkt sie: „Ich tu’s fürs Skifahren!“ Nach der ersten Verletzung spürte sie, dass es von Tag zu Tag besser wurde. „Ein schönes Gefühl!“, sagt sie. Jetzt geht es viel zäher bergauf. Wenn es aber doch nicht klappt? – Dann stürzt die Welt auch nicht ein. Konkrete Pläne hat sie nicht, aber das Gymnasium Stams hat eine gute Grundlage gelegt.

Angst gibt es. Heuer stürzten viele österreichische Skirennsportler/innen schwer. Macht das Angst? Ihr, den Eltern? – Am Start bei einer Abfahrt, so Evelyn Pernkopf, hätten alle ein wenig Angst, auch die Männer. „Doch sobald du ins Rennen gestartet bist, ist die Angst weg.“ Für die Mutter nicht. Sie kann nicht wirklich hinschauen. Vater schon. Er analysiert die Fahrt.
Michaela Pernkopf erinnert sich, wie glücklich ihre Tochter Evelyn war, als sie nach der Verletzung 2008 das erste Mal wieder bei einem Rennen am Start stehen konnte. Die Rennläuferin greift Mutters Erinnerung auf und erzählt, „wie schön es ist, das Piepsen am Start zu hören“. Wenn alles gut geht, hört sie dieses Piepsen erstmals wieder im November 2011 direkt neben sich. Alles Gute dafür!
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