Wie brüchig doch Steine heutzutage sind. Da erklärte Verteidigungsminister Norbert Darabos am 2. Juli 2010 in der Tiroler Tageszeitung: „Für mich ist die Wehrpflicht in Stein gemeißelt.“ Welches Material er verwendet haben und was auch passiert sein mag, die Steinplatte mit dem Schwur des Minis-ters ist innerhalb einiger Monate zerbröselt. Da lobe ich mir die Kirche. Was dort in Stein gemeißelt ist, das hält auch. Man denke nur an die Zehn Gebote. Gott selbst hat sie auf zwei Steintafeln geschrieben, lesen wir in der Bibel. Ein Blick in die Geschichte der Menschheit zeigt, dass sie mit den alten Tafeln gar nicht schlecht fährt: Du sollst nicht morden, nicht Ehe brechen, nicht stehlen, nicht lügen. Doch eins hat Gott nicht recht bedacht. Er inszenierte die Übergabe der Gebote am Berg Sinai so spektakulär, dass nicht nur die Israeliten damals, sondern Generationen von Kirchenführern bis heute von dem Event ganz in Bann geschlagen sind. Wenn sie Wichtiges zu sagen haben, machen sie es dann wie am Sinai und meißeln es in Stein. Vermutlich in der Hoffnung, dass Anweisungen und Vor-schriften damit Bestand haben und der Diskussion entzogen sind. Man kann es aber drehen und wenden, wie man will: Mit dem Finger in Stein zu schreiben, soll man doch Gott überlassen.