Jede/r hat das Recht, seine Meinung zu äußern – auch im Radio
Ausgabe: 2011/06, Radio Fro, Meinung, Recht, Radio, Solidaritätspreisträger, Jagosch, Werbung
14.02.2011
- Elisabeth Leitner
Von Jung bis Alt, für „Mehrheitsöster-reicher/innen“ und Zugereiste, mit Nachrichten vom Fußballclub bis zu Infos aus einem kleinen bosnischen Dorf – das ist die Bandbreite von Radio FRO, dem freien Radio Oberösterreich, das 2010 den Solidaritäts-preis der KirchenZeitung erhielt.
In 17 Sprachen wird bei Radio FRO gesendet, 100 Sendungen werden von 350 ehrenamtlichen Programm-Macher/innen produziert und können im Großraum Linz auf 105,0 MHz sowie im Internet empfangen werden – und das 24 Stunden täglich ohne Unterbrechung. Für alle und jeden hat Radio FRO eine offene Tür, nur für diskriminierende, menschenverachtende Inhalte gibt es keinen Sendeplatz. Ein Problem, das ohnhin nur selten auftaucht.
Vielfalt im Radio. Ein kleines Team mit zehn hauptamtlichen Mitarbeitern hält den Sendebetrieb aufrecht, bietet Seminare und Fortbildungen an – zu ihnen gehört auch Oliver Jagosch. „Den typischen Programm-Macher oder Hörer gibt es bei uns nicht. Die Vielfalt macht das Ganze aus“, sagt Jagosch im Gespräch mit der KirchenZeitung. Im Radiostudio hängt die Solipreis-Urkunde, dort sendet Friedrich Höblinger gerade live sein Programm für das Seniorenradio. Moderieren, Interviewen, Musik einspielen – all das machen die Programm-Gestalter/innen selbst. „Die CDs haben gestreikt“, informiert Höblinger nach der Sendung seinen Kollegen. Jagosch verspricht, sich um eine Lösung zu kümmern.
Alles selbst gemacht. Der Zugang zum Medium Radio soll für alle möglich sein. „Jede/r kann kommen. Journalistische Vorbildung ist nicht nötig“, erklärt Jagosch. Wer Radio machen will, bekommt eine Einschulung in Medienrecht, Interviewtechnik, Sendungsgestaltung – und dann heißt es auch schon ins kalte Wasser springen. „Jede/r ist für sein oder ihr Programm selbst verantwortlich und ist damit auch selbst das Qualitätskriterium. Wir üben keine Zensur aus“, beschreibt Jagosch die Philosophie des freien Radios.
Die Stimme erheben. Seit über zwölf Jahren sendet Radio FRO. Viele, die sonst in der Medienlandschaft kaum eine Stimme haben, können hier ihre Anliegen hinausposaunen. Türkische Mitbürger/innen etwa nutzen das Angebot gezielt, aber ebenso der blau-weiße Fußballclub oder Kulturvereine. Eine Mitarbeiterin informiert über Neuigkeiten aus einem bosnischen Dorf und hat ein Hörer/innen-Publikum, das bis nach Australien reicht. 350.000 Hörer/innen zählt Radio FRO ingesamt. Mit der Katholischen Jugend gibt es ebenfalls eine Kooperation: Für „Radio lautstark“ – eine eigene Radiosendung der Katholischen Jugend – laufen die Vorarbeiten.
Keine Werbung. Auf Werbung und kommerzielle Inhalte wird verzichtet, denn sie erschweren die unabhängige Berichterstattung. Wirtschaftlich unabhängig zu sein ist möglich, da das neue Mediengesetz fixe Förderungen für freie Radios vorsieht. Mit einem Budget von 300.000 Euro jährlich muss der Sender auskommen. „Wir sind keine Bittsteller, sondern erfüllen einen öffentlichen Auftrag“, erklärt Jagosch. Es geht um die Demokratisierung der Medienlandschaft – oder anders gesagt: „Jeder hat das Recht auf freie Meinungsäußerung. Bei uns haben nicht die das Sagen, die das Geld haben, sondern bei uns hat jeder/r etwas zu sagen!“, bringt es Jagosch auf den Punkt.