Alle zwei Wochen kommen Singbegeisterte ins Diakonissen-Krankenhaus Linz, um sich beim offenen Singen des „Singenden Krankenhauses“ vom Gesundheitserreger Musik infizieren zu lassen. Ganz egal, ob Kranke oder Gesunde.
Die Eingangshalle des Diakonissen-Krankenhauses füllt sich. Viele der Sangesfreudigen kennen einander bereits von vorigen Treffen. Es wird geplaudert und gelacht. Neben dem Klavier stimmt Musiktherapeutin Gerda Brock ihre Gitarre. Alle Plätze im vorbereiteten Sesselkreis sind besetzt. Gerda Brock stellt sich mit dem Instrument in der Hand kurz vor und beginnt zu spielen. Die Melodie ist eingängig und der Text leicht zu merken: „Ich bin okay! Du bist okay! Wir sind okay, wie wir sind!“ Bei den Bewegungen zu dem Lied wird es etwas komplizierter, aber bald machen alle mit. Junge und Alte, Kranke und Gesunde singen und tanzen einander diese Bestätigung zu.
Gesundheitserreger. Gerda Brock leitet das offene Singen, singt die Lieder vor und erklärt die Tänze. „Natürlich bin ich beim Anleiten gefordert, aber an sich ist Singen für mich etwas sehr Entspannendes“, beschreibt sie ihre Arbeit. Seit 2009 finanziert das Krankenhaus der Diakonissen in Linz alle zwei Wochen diese Singstunde für ihre Patient/innen. In Deutschland ist diese Form der Musiktherapie bereits weit verbreitet. In Oberösterreich ist das Diakonissen-Krankenhaus derzeit das erste und einzige Krankenhaus, das Singen als „Gesundheitserreger“ anbietet.
Familienausflug. Auch Familie Sarlay wurde von diesem „Gesundheitserreger“ infiziert. Lydia Sarlay ist 22 Jahre alt. Seit sie in keinem Chor mehr singt, fehlt ihr das gemeinsame Musizieren. Mit ihrer Mutter Gertrude und deren Schwägerin Inge Sarlay kam sie deswegen zum offenen Singen ins Krankenhaus. Das Singen und Tanzen hat ihnen viel Freude gemacht und sie wollen wiederkommen. „Durchs Singen bekommt man ein Gruppengefühl, obwohl einem eigentlich so viele fremd sind“, beschreibt Lydia ihre Eindrücke. Gerda Brock erklärt: „Durch das Singen werden im Gehirn Bindungshormone freigesetzt. Singen hat so auch ein unglaubliches Friedenspotenzial.“
Im Mittelpunkt. Ganz wichtig ist der Musiktherapeutin Brock das Motto: „Es gibt keine Fehler, nur Variationen!“ Es sind keine Vorkenntnisse erforderlich und „Sing-Amateure“ sind herzlich eingeladen. Auch wer von sich selbst behauptet, nicht singen zu können, ist beim „singenden Krankenhaus“ gern gesehen. Wer nicht mehr so gut auf den Beinen ist, kann sich bei den Kreistänzen auf einen Platz in der Mitte des Kreises setzten und so genießen, wie er oder sie plötzlich zum Mittelpunkt des Geschehens wird und alle um sie oder ihn herumtanzen.
Pure Freude. Neben den positiven Einflüssen des Musizierens für die Seele und das Gemüt ist es auch für den Körper vitalisierend und heilend. „Singen und Tanzen ist ein Fitnesstraining für die Lunge, man atmet intensiver, der Körper wird besser durchblutet und es fördert die Selbstheilungskräfte“, beschreibt Gerda Brock die positiven Kräfte des Singens. Und natürlich macht es sehr viel Spaß und Freude, wie in einem der gesungenen Lieder zu hören war: „Ich singe und tanze, genieße mein Leben, ich bin auf der Erde, um glücklich zu sein!“
- Die nächsten Termine des „Singenden Krankenhauses“: 3. März, 14. April, 28. April, 12. Mai,26. Mai und 9. Juni 2011, jeweils von 18.30 bis 19.30 im Foyer des Diakonissen-Krankenhauses Linz, Weißenwolffstraße 15.