In Österreichs Wartezimmern gibt es Gleiche und Gleichere. „Der Nächste bitte, Herr Magister“, werden Akademiker gerne aufgerufen, um deren Status zu betonen. Die Ärzte, unsere Doktoren, wissen halt noch, was sich gehört. Aber im Ernst: Ich sitze als Akademiker zwar einerseits selbst im Glashaus, könnte aber andererseits wirklich auf diese fixe Verknüpfung von Titel und Namen verzichten, die sich bei Weitem nicht nur auf die Arztpraxen beschränkt. Und offenbar ist die übersteigerte Bedeutung des Titels auch kein rein österreichisches Phänomen. Der Fall des deutschen Ministers Karl-Theodor zu Guttenberg zeigt nicht zuletzt, welche Folgen diese Titelgeilheit hat. Guttenberg hat vom Glanz des Doktortitels in seiner Karriere auf jeden Fall profitiert. Erst in den letzten Wochen kam auf, dass er blöderweise zu wenig Zeit hatte, um eine gescheite Doktorarbeit mit seinen eigenen Gedanken zu verfassen. Nur fürs Kopieren reichte seine Energie. Aber es musste ja unbedingt ein schöner Titel her. Nachdem ihm sein Doktortitel aberkannt wurde, kann er damit nicht mehr blenden. Wie gut, dass es auch abseits des Akademischen so viele schöne Titel gibt. Für Gutten-berg bleibt immerhin sein „Freiherr zu und von“. Davon, dass er diesen Titel nicht mehr führen will, war bislang noch nichts zu hören.