Am 22. Oktober jährt sich der Geburtstag von Franz Liszt (1811 bis 1886) zum 200. Mal. Ein Jubiläum, das zahlreiche neue Aufnahmen auf den Musikmarkt mit sich bringt. Darunter auch die beiden Debüt-Alben der Pianistin Khatia Buniatishvili und des Pianisten Alexander Krichel. Beide sind erst Anfang zwanzig und haben – so ist es nachzulesen – einen sehr persönlichen Zugang zu Liszts Musik. Sie gilt als äußerst anspruchsvoll, aufwühlend für das sensible Gemüt und sehnenscheidenentzündend für die Hände der übenden Pianist/innen. Zumindest bis zum Jahr 1861, ab dem sich Franz Liszt verstärkt der Komposition von Kirchenmusik widmete (1865 ließ er sich zum Abbé weihen). Bei seiner Musik sei es ihr möglich, „die vielen Facetten meiner Seele in ihrer Einheit zu präsentieren“, schreibt die georgische Musikerin. Fingerfertig und gehörig romantisch spielt sie das Notturno Nr. 3, besser bekannt als „Liebestraum“. Die anspruchsvolle Sonate in H-Moll klingt intensiv und beschleunigt merklich den Herzschlag beim Zuhören. Dem aus Hamburg stammenden Musikstudenten Alexander Krichel wurde beim Spielen der Zweiten Ballade von Liszt bewusst, „dass ich ohne Musik nicht leben könnte.“ In seiner Interpretation werden tiefe Passagen zu rollenden Wellen, auf denen helle Töne tanzen. Eine Einladung, seine Begeisterung zu teilen.
- Khatia Buniatishvili, Franz Liszt, CD und DVD, Sony Classical. - Insights, Alexander Krichel plays Liszt, CD, Telos Music.