Im Gespräch wollen sie vor allem die Oberhand gewinnen. Im Anderen sehen sie den Konkurrenten, gegen den es sich durchzusetzen gilt. Männer eben. Doch die Katholische Männerbewegung möchte das verändern. Beim Diözesantag der KMB ging es um das „Tabufeld Konflikte“.
Der Wiener „Männerforscher“ Erich Lehner ist überzeugt: Wenn die führenden Leute in der Wirtschaft wenigstens ein paar Jahre ihres Lebens hauptverantwortlich für ihre Kinder gewesen wären, die Welt würde anders aussehen. Beim Diözesantag der Katholischen Männerbewegung gab Lehner am Samstag, 29. Oktober, im Bildungshaus Schloss Puchberg Impulse zum Überdenken von männlichen Verhaltensweisen. Für die KMB war der Diözesantag Startschuss für den „Jahresschwerpunkt“, in dem das „Tabufeld Konflikte“ beleuchtet werden soll. Auf Konkurrenz beruhende männliche Verhaltensweisen erweisen sich für Lehner als verhängnisvoll – im Politischen und Wirtschaftlichen ebenso wie in der Beziehung zwischen Männern und Frauen. Männliches Verhalten basiere auf Über- und Unterordnung. Und Frauen seien in der Konkurrenz der Männer im Allgemeinen ganz unten. „Unter jedem untergeordneten Mann gibt es noch eine untergeordnete Frau“, meinte Lehner.
Von der Konkurrenz zur Partnerschaft zu gelangen, ist für den Männerforscher mit einem langen Weg verbunden. Männer glauben, dass sich ihre Beziehungen und auch ihre Konflikte irgendwie selbst regeln werden, sagt Lehner. Dass es kritisch um ihre Beziehung steht, merken Männer oft erst dann, wenn sich die Frau schon für die Trennung entschieden hat, verwies Lehner auf eine Statistik: 70 Prozent der Scheidungen werden von Frauen eingereicht. Männer müssten, wenn sie ihre Verhaltensweisen ändern wollen, auch ihre Lebensorte ändern. Für Lehner bedeutet das: sich mehr in ihre Familien und in den Haushalt einbringen. Das sei die Schule für Partnerschaft und Nähe.
Unterstützung für Krisen-Länder. Männer brauchen eine „menschenfreundliche Rolle in Familie und Beruf“. Das ist auch für den Diözesanvorsitzenden der KMB, Franz Gütlbauer, ein wichtiges Ziel. In den von ihm vorgetragenen „Erklärungen der KMB“ richtete er den Blick auch darüber hinaus. „Solidarität ist mehr denn je gefordert, für alle Benachteiligten in der Gesellschaft.“ Klar sprach er sich für die Unterstützung der Länder aus, die sich in Europa in finanziellen Schwierigkeiten befinden. „Selbstabschottung wäre kurzsichtig und zutiefst unchristlich“, betonte er. Auch Mittel für Entwicklungshilfe dürften nicht reduziert werden. Unterstützung gab es durch den KMB-Obmann für einen Vorschlag von Landeshauptmann Josef Pühringer nach einer zeitlich befristeten „Reichensteuer“. Scharf kritisierte Gütlbauer auch den „leichtfertigen Umgang“ mit Geld durch einzelne Politiker. Auch in Bezug auf die Kirche wurde Gütlbauer deutlich. „Die Kirche braucht Weiterentwicklung und muss neue Schritte in die Zukunft wagen.“ Die Kirche müsse offen für alle sein. „Wir verwehren uns gegen ein Schrumpfen auf eine kleine Schar von Elitekatholiken. Wenn die Kirche nicht mehr in gutem Kontakt mit den Hauptströmungen von Gesellschaft und Kultur ist, besteht die Gefahr, dass die christlichen Werte in unserer Gesellschaft immer mehr verdunsten.“