Vor neun Jahren begann Welthaus Linz in Tansania ein Projekt, das 150 Kindern aus sehr armen Familien sowie Flüchtlingskindern (Ruanda) und Aidswaisen einen Schulbesuch ermöglicht. Von diesen 150 sind alle Kinder, bis auf eines, noch heute im Projekt.
Wenn Welthaus Linz (bis April 2007: WEKEF Weltkirche und Entwicklungsförderung) am kommenden Samstag, 5. November, 40 Jahre feiert, sind es die Beispiele wie jenes aus Tansania, die den Festcharakter bestimmen: Es ist möglich, in einer Welt, die nach wie vor in arm und reich teilt, an eine gerechte Welt für alle zu glauben. Die Hoffnung trägt, so Heribert Ableidinger, Geschäftsführer von Welthaus, und wird aus den vielen guten Erfahrungen genährt. In Pfarren, Gemeinden und Schulen engagieren sich Menschen für ein weltweit faires Miteinander, das auch Konsequenzen für das eigene Handeln hat. Und bei Projektreisen, etwa nach Madagaskar, Tansania und Indien erlebte Ableidinger, wie sich die Menschen dort „ins Zeug hauen“, wie fröhlich sie trotz ihrer schweren Aufgabe sind.
Breite Trägerschaft. Am 13. November 1970 wurde WEKEF gegründet. Von Anbeginn wird Welthaus von diözesanen Organisationen getragen, die in Weltkirche und Entwicklungshilfe engagiert sind. Heute sind dies fünf KA-Gliederungen aus dem Erwachsenen- bzw. aus dem Jugendbereich: die Caritas, die Missionsstelle der Diözese, die MIVA, Missio, Jugend Eine Welt, Vertretungen der Frauen- und Männerorden sowie des Konsistoriums und der ehemaligen Entwicklungshelfer/innen.
Bio-fair. Die Aufgaben von Welthaus sind umfangreich. Neben der Projektarbeit in armen Ländern gehört dazu vor allem Bildungsarbeit in der Diözese Linz. So führt Welthaus eine Mediathek „Epolmedia“, die an Pfarren, Eine-Welt-Gruppen, Schulen etc. Behelfe und Materialien zum Thema Eine Welt verleiht. Sehr bekannt sind die bio-fairen Frühstücke, von denen es seit 2002 schon mehr als 1000 gegeben hat. Das sind zum bio-fairen-regionalen Genuss angeleitete Gruppen-Frühstücke verbunden mit Informationen zum Thema. Derzeit allerdings werden diese Frühstücke wegen fehlender Subventionierung seltener gebucht.
Tansania und Madagaskar. Tansania und Madagaskar sind seit einigen Jahren Schwerpunktländer der Welthaus-Solidarität. Die besonderen Kontakte nach Tansania laufen über Hans Humer, der in Tansania Pfarrer ist. Die Zusammenarbeit mit madegassischen Partnern entstand aus einer Freundschaft mit einer madagassischen Musikgruppe, die auf Österreich-Tour war. In ihrem Heimatland ist sie nicht nur die bekannteste Gruppe, sondern auch eine Gruppe, die mit ihrer Musik den Jugendprotest unterstützt(e). Aus der Begegnung mit den Musikern hat sich im Lauf der Zeit eine verlässliche Projektpartnerschaft aufgebaut. Derzeit allerdings, so Ableidinger, ist die Lage nach dem Putsch angespannt, gefährlich und schwierig.
Gutes Leben für alle. Auf EU-Finanzierung stützt sich das Projekt „Awareness for Fairness“. In Kindergärten und Volksschulen werden Workshops angeboten, in denen es ums globale Lernen geht. Die Oö. Landesregierung fördert „b-fair 21“, ein Angebot für Agenda 21 Gemeinden, das globale Nachhaltigkeit zum Thema macht. Möglichst viele lokale Organisationen sollen dabei eingebunden sein. Derzeit betreut Welthaus drei solche b-fair-Projekte: in Sattledt, in Haunsberg-Land und in Saxen. Schon abgeschlossen sind b-fair-Projekte z.B. in der Region Mühlviertler Alm, wo man sich stark auf die Jugend konzentrierte, und in Losenstein, wo ein Ergebnis die Gründung eines Bauern- und Weltladens war. Es sind kleine Schritte, sagt Ableidinger, sie sind möglich und sie machen erlebbar, wie sehr fair, biologisch, regional und saisonal zusammenhängen. Wie sehr wir weltweit aufeinander angewiesen sind.