Kirchenbeitrag und Kultur-Steuer --- Krisen rund um Weihnachten
Ausgabe: 2012/02, Kirchenbeitrag, Kultus, Steuer, Krisen, Weihnachten, Hiegelsberger, Gerechtigkeitsgründe, Kirche
23.01.2012
Kirchenbeitrag und Kultus-Steuer
Als Bauernbundobmann hat Landesrat Max Hiegelsberger am 4. Jänner mit dem Vorschlag aufhorchen lassen: Aus Gerechtigkeitsgründen sollten auch aus der Kirche Ausgetretene einen Kulturbeitrag leisten.
„Die Geschichte und Identität eines Landes finden sich auch in den geschichtsträchtigen Gebäuden. Die Stifte, Klöster und Kirchen sind Wahrzeichen des Landes Oberöstereich. Der Kirchenbeitrag wird auch zum Erhalt für diese Gebäude verwendet. Es kann nicht sein, dass von diesen Wahrzeichen jeder profitiert, aber nicht alle beim Erhalt mitzahlen!“, sagte Hiegelsberger.
Skeptische Aufnahme. Zu Hiegelsberger Vorstoß kam kaum Beifall, aber viel Skepsis und Zurückhaltung. Der Linzer Generalvikar Severin Lederhilger sieht im Vorschlag eine Anregung zur Diskussion über die Verantwortung für den Schutz und Erhalt von Kulturgütern. Die Kirchen-Mitglieder trügen derzeit einen beachtlichen Teil zum Erhalt der Kulturgüter bei. Man müsse aber die Unterschiedlichkeit eines privaten Kirchenbeitrags und einer öffentlichen Steuervorschreibung berücksichtigen. Bischof Küng hält den Vorschlag für diskussionswürdig, Vizekanzler Spindelegger meint: Interessant, aber derzeit nicht im Vorhabens-Paket. SP-Kultursprecherin Sonja Ablinger hält die Idee für völlig absurd und diskrimierend gegenüber nicht katholischen Religionsgemeinschaften und Konfessionsfreien. Oberösterreichs neuer KA-Präsident Bert Brandstetter zeigte sich nicht abgeneigt und meinte: „Die Zahl der Kirchensteuerzahler aller Kirchen wird immer kleiner. Die Gelder, die der Staat für diese Dinge zur Verfügung hat, werden auch nicht mehr. Man kann uns den Erhalt dieser Kulturgüter nicht alleine zumuten.“
Krisen rund um Weihnachten
Zur Weihnachtszeit sind die psychosozialen Dienste besonders gefragt, hieß es vor Weihnachten. – War es dann tatsächlich so, fragten wir bei EXIT sozial, pro mente und TelefonSeelsorge nach.
Die drei Einrichtungen bestätigen, dass es auffallend viele Beratungs- und Betreuungskontakte gab. EXIT sozial etwa stellte zwischen 29. Dezember und 4. Jänner eine Zunahme der Kontakte gegenüber der Weihnachtswoche um fast zwei Drittel fest. Auch alle Krisenzimmer waren belegt, es mussten aus Platzmangel sogar Betroffene abgewiesen werden. Monika Czamler von pro mente OÖ berichtet von ziemlich anstrengenden Tagen vor und nach Weihnachten. So mussten erheblich mehr Menschen betreut werden, die nach Suizidfällen in ihrem Umkreis traumatisiert waren. Gründe für die Suizid-Häufung sind auch Arbeitsplatzverluste. Silvia Breitwieser von der TelefonSeelsorge berichtet von auffallend vielen Beratungsstunden im Dezember. Die Themen seien aber nicht anders, sie haben nur eine besondere Gewichtung: Kränkung, Enttäuschung, Beziehungskonflikte, Verluste; auch Dank für Hilfe sowie Lebens-Bilanzierung.