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Das wär es dann schon gewesen

Heiraten wie in Hollywood. Das ist der Traum vieler Paare – wenn sie denn überhaupt ans Heiraten denken. Doch viele überfordern sich mit ihren Erwartungen an die Ehe. Die Kirche will Paare begleiten – damit der Hochzeitstag nicht schon der „schönste Tag“ des Lebens gewesen ist.
Ausgabe: 2012/03, Hochzeit, Trends, heiraten, Hochzeitstag, Erwartungen, Begleitung, Harant
23.01.2012
- Matthäus Fellinger
© Bildagentur Waldhaeusl
Heiraten nach schamanischem Ritus – oder so wie die Kelten. Für Menschen, die das Außergewöhnliche lieben, bieten sogenannte „Wedding-Agenturen“ ihre Dienste an. Mit immer ausgefalleneren Wünschen haben nicht nur Standesbeamte ihre liebe Not. Auch für die Kirche bedeutet diese „Hollywoodisierung“ des Heiratens eine Herausforderung. Überzogene Erwartungen. Beziehung, sagt Pfarrer Franz Harant, ist heute oft überfrachtet mit enorm hohen Erwartungen an den Partner und die Partnerin. Als Ehe-, Fami­lien- und Lebensberater stellt er fest: Die Leute überfordern sich mit diesen Erwartungen oft und sie scheitern an diesen überzogenen Ansprüchen aneinander. Ein Partner kann niemals Lebensinhalt sein – er kann nur wichtigster Mensch in der Lebenssituation sein. Ein Geschäft. Und auch das ist ein Trend: Leute setzen enormen Aufwand in den Tag ihrer Hochzeit. Viel Geschäft ist mit dem Rundum-Service ums Heiraten verbunden. Doch Franz Harant will gegen diese Trends nicht „wettern“ oder sie schlechtreden. Mehr erwartet er sich von Zusammenarbeit mit den verschiedenen Agenturen und entsprechenden Ausbildungseinrichtungen. Der Seelsorger ist inzwischen in die Ausbildung für „Wedding-Planner“ am Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI) sowie in die „SagJa-Hochzeitsplaner-Akademie“ im Seeschloss Ort eingebunden, um dort den Sinn kirchlichen Eheverständnisses und auch des Ritus zu erschließen. In Wirklichkeit, meint Harant, wäre es traurig, wenn der Hochzeitstag schon der schönste Tag im Leben gewesen wäre. Damit viele schöne Tage folgen können, bietet die Kirche Begleitung an. Heiraten ist öffentliche Angelegenheit. Auch das will der Ehe- und Familienseelsorger ins Bewusstsein rücken: Die Eheschließung ist gewiss etwas sehr Persönliches, aber keineswegs etwas Privates. „Die kirchliche Trauung ist ein öffentlicher Akt, ein Rechtsakt“, betont Harant, und deshalb muss zumindest eine begrenzte öffentliche Teilnahme an einem öffentlichen Ort (Standesamt, Kirche) möglich sein.
Immerhin rund 2500 Paare heiraten in Oberösterreich jährlich kirchlich, Tendenz in den letzten zehn Jahren sogar leicht steigend. An den Standesämtern sind es rund 4200 Erst­eheschließungen im Jahr.
In einer Kultur des Shoppens wird Heiraten oft als bloßes „Event“ gesehen, das alles bieten muss und mit großem Aufwand und Pomp begangen wird. Aber Standesbeamte möchten sich ebenso wenig wie Seelsorger als bloße „Showmaster“ nach der Regie einer „Heiratsagentur“ eingespannt wissen. Es geht schließlich um einen lebensprägenden Rechts-Vorgang. Die Ressource der Liebeskraft. Leider, meint Harant, ist die Kirche bezüglich Eheverständnis in den letzten Jahrzehnten ziemlich stehen geblieben. Da wäre die Kirche den Menschen viel zu moralisierend gegenübergetreten. Aber es geht – so Harant – zuoberst um Liebe – und die „kommt von Gott und hört niemals auf“. „Die Liebeskraft ist eine unendliche Ressource im Leben“, sagt der Seelsorger, „aber man muss sie nutzen.“ Dann hätte sie Auswirkungen darauf, wie Paare miteinander kommunizieren, sich versöhnen, eine Kultur der Zärtlichkeit und Sexualität pflegen, wie sie mit den Kindern umgehen, eben in allem, was zum Leben gehört.
Die Aufmerksamkeit der kirchlichen Ehepastoral zielt darauf hin, dieses Liebestalent zu entfalten – und nicht zu vergraben. Und viele Brautpaare – so die Erfahrung des Seelsorgers – erwarten von der Kirche auch, dass sie sie darin stärkt. Begleitung für das Leben. Bei „Hochzeitsmessen“, wie zuletzt Anfang Jänner in Linz, versucht Franz Harant die Angebote von BEZIEHUNGLEBEN.AT ins Spiel zu bringen – und findet dafür Aufmerksamkeit und auch Dankbarkeit. Hochzeitsplaner sind eben nur für den einen Tag da. Um Beziehung auf Dauer spannend zu halten, braucht es Aufmerksamkeit über den Tag hinaus.

Kirche begleitet Paare

Ehe.wir.heiraten. Die Diözese Linz bietet zur Vorbereitung auf die Ehe Partnerkurse für Brautpaare in unterschiedlichen Formen an, von einer eintägigen Seminarform (Ehe.wir.heiraten.aktiv), über eine Zwei- oder Dreitagesseminar (Ehe.wir.heiraten.kommunikativ) bis zum Intensivseminar, das sich auf acht Monate an acht ganzen Tagen erstreckt (Ehe.wir.heiraten.intensiv). Die Termine. Diözesane Abteilung Ehe und Familie, Kapuzinerstraße 84, 4021 Linz, www.beziehungleben.at. Hier sind auch die Adressen der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen in allen Regionen der Diözese Linz ersichtlich. - www.beziehungleben.at
- www.kirchlichheiraten.at
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