Normalerweise sind es negative Schlagzeilen, die Reaktionen von Leuten hervorrufen: Missbrauch. Umstrittene Bischofsernennungen. Dass ein Vorschlag wie der nach einem „Diözesankonzil“ so viel Echo auslösen würde, hat selbst jene überrascht, die ihn gemacht haben. Allmählich gewinnt der Mitte Dezember geäußerte noch vage Vorschlag des KA-Präsidenten Bert Brandstetter nach einer „Art Diözesankonzil“ Konturen. „Konzil“ wird es nicht heißen, ein Gesprächsprozess mit breiter Beteiligung des Kirchenvolkes soll es werden. Die Katholische Frauenbewegung und die Männerbewegung ziehen mit dem Präsidenten mit. „Wir gehen diesen Weg mit, weil wir wissen, dass viele Frauen dahinterstehen“, erklärt Diözesanobfrau Erika Kirchweger. Viele Frauen – so Kirchweger – leiden unter einem zunehmenden Heimatverlust in ihrer Kirche – und sie wollen Veränderungen. Franz Gütlbauer erklärt es seitens der Männerbewegung: „Ich hoffe sehr, dass etwas in Gang kommt“, sagt er. Es müsse endlich geklärt werden, was in der Diözese als Antwort auf die dringenden pastoralen Probleme möglich ist – und was in der Verantwortung der Bischöfe und Roms liegt. Für Gütlbauer gilt es dies von dort auch einzufordern.
Aufeinander zugehen. Die Katholische Jugend zieht ebenfalls mit. „Nicht nur Bischöfe, Kleriker und ausgewählte Gäste sollen beteiligt werden, sondern alle Menschen, die sich einbringen möchten“, erklärt Christoph Burgstaller. Wichtiger als ein Abschlussdokument ist ihm ein „Prozess des Aufeinanderzugehens“. Das ist auch für KA-Präsident Brandstetter die Hauptsache: „Unser Ziel ist nicht, die Kirche umzukrempeln“, betont er. Man müsse „lernen, sich wieder besser zu verstehen und aufeinander zu hören“. Die unterschiedlichsten Glaubensströmungen sollten in der Kirche Platz haben, und sie sollten einander akzeptieren. Trotzdem ist auch schon von konkreten Forderungen die Rede, etwa über eine verstärkte Beteiligung der Gläubigen bei der Ernennung von wichtigen Amtsträger/innen.
Kommt Volksbefragung? In der Katholischen Aktion ist man nun dabei, dem Gesprächsprozess eine konkrete Gestalt zu geben. Da bietet sich das 50-Jahr-Jubiläum des Beginns des Zweiten Vatikanischen Konzils (11. Oktober 1962) an. Die Kernbotschaften des Konzils sollen in Erinnerung gerufen und weiter gedacht werden. Die „Zeichen der Zeit“ sollen für heute gedeutet werden. Was wollen die Getauften? Auf diese Frage will Brandstetter in einer Art „Volksbefragung“ Antworten finden – auch von Leuten, die nicht mehr in den Kirchen anzutreffen sind. Kirche sollte wieder zu einer Größe werden, die von den Menschen ernst genommen wird. „Wir starten einen Prozess und wissen nicht, was herauskommt“, vertraut Brandstetter auf die „Dynamik“, die ein solcher Prozess nach sich ziehen sollte.
Am Ende ein Kirchentag. Nach einer Phase der Gespräche – von Stammtischen bis zu Diskussionsveranstaltungen und „Jugend-Parlamenten“ – sollten gemeinsame Positionen erarbeitet werden. Am Ende des Gesprächsprozesses könnte ein Katholikentag stehen – oder sogar ein Christ/innen-Tag aller christlichen Kirchen – falls diese dies wollen. Die „Kirche kann sich nicht in kuschelige Gruppen zurückziehen, sie will sich einbringen in die Gesellschaft“, sagt Erika Kirchweger. Damit das gelingen kann, muss sie sich für den Menschen von heute verständlich machen.