Nach der Delogierung hatte Thomas mit Alkohol Anlauf genommen, aus dem Leben zu flüchten. Von einer Parkbank kam er ins Spital. Dort starb er. Ich habe Thomas nicht gekannt, und doch ist er mir in seinen letzten Tagen sehr nahe gekommen – Mitmenschen haben mir von ihrer Sorge um ihn erzählt. Sein Leben kannte kaum "Marscherleichterungen“. Die Lasten hatten Namen: Scheidung, Geld-Probleme, Nachtarbeit als Taxler, um die erdrückenden finanziellen Verpflichtungen erfüllen zu können. Die Miete konnte er dennoch oft nicht zahlen. Die Marscherleichterung hatte ebenfalls einen Namen: Er sang in einem Chor, gut und gerne. Den Mitgliedern des Chors erzählte er von seiner Freude, in ein paar Monaten in Pension gehen zu können. Endlich habe das Schatten-Dasein der Nachtarbeit ein Ende – endlich Sonne! Die Delogierung verdunkelte die Aussicht auf Sonne. Er besoff sich. Alkohol und Kälte zerstörten seinen Körper. Nach wenigen Tagen starb er. Jetzt hat er hoffentlich immerwährende Marscherleichterung. Wird er die Noten noch brauchen, die er bei seiner Flucht aus dem Leben auf die Parkbank mitgenommen hat? Chornoten. Was war sein letztes Lied? Thomas scheiterte im Leben. Und mit ihm die Gesellschaft, in der solches Scheitern passiert.