Die ersten 18 Jahre meines Lebens habe ich mehr den Siegfried der Nibelungensage bewundert und die Sagen dazu verschlungen. Erst beim Eintritt ins Kloster, wo wir den Ordensnamen vorschlagen durften, entschied ich mich bewusst für den Missionsbischof von Schweden – den hl. Siegfried – als Patron.Viel wissen wir nicht von ihm, und seine Wallfahrt in Växjö (Südschweden) gibt es seit der Reformation nicht mehr. Er war einer der Missionare, die im 11. Jahrhundert von England aus in Skandinavien die Botschaft von Christus verkündeten. Die Legenden berichten, dass er Rückschläge und Grausamstes erleiden musste – die Enthauptung seiner Gefährten und Neffen. Dennoch ließ er sich nicht zur Vergeltung hinreißen, er trat sogar für die Mörder ein, indem er die Todesstrafe ablehnte. Gerade dieser barmherzige Umgang hat seine Missionsanliegen vorangebracht. Er lebte die Überzeugung, dass Barmherzigkeit und Vergebung wichtiger ist als Rache und Härte. Und dass das Leben immer Vorrang hat.
P. Siegfried Eder ist Professor, Jugendseelsorger und Kellermeister im Benediktinerstift Kremsmünster.