„Der Glaube war stärker als die Angst“, sagt der evangelische Pfarrer Christian Führer aus Leipzig, der in der DDR mit den Friedensgebeten Anstoß zu den Massendemonstrationen gab. Das führte schlussendlich zum Zusammenbruch der Diktatur führte. Letzte Woche war er zu Gast in Linz.
Christian Führer, Pfarrer der Leipziger Nikolai-Kirche, ist eine Schlüsselfigur der christlich geprägten Revolution gegen die DDR-Dikatur. Diese Revolution wuchs aus den wöchentlichen Friedensgebeten von zehn Jahren. Am Ende gingen 70.000 Menschen auf die Straße, demonstrierten friedlich gegen das Regime. Es war Montag, der 9. Oktober 1989. Dann ging es Schlag auf Schlag. Einen Monat später fiel die Berliner Mauer. Nicht in der Angst ertrunken. Das Evangelische Studentenheim in Linz ist nach Dietrich Bonhoeffer benannt, dem großen lutherischen Theologen und NS-Widerstands-Märtyrer. – Mutigen Widerstand gegen Unrecht ehrt das Heim in unserer Zeit mit einer „Bibliothek der Zivilcourage“, in die im Anschluss an Vortrag und Diskussion Pfarrer Führer aufgenommen worden ist. Er meinte, die größte Kraft im Widerstand gab ihm das Gebet. „Ohne das Gebet wäre ich in der Angst ertrunken.“ In einem Atemzug damit nannte er, „dass meine Frau und die Kinder zu mir gestanden sind“. Wichtig war auch der Rückhalt durch den Kirchenvorstand.
Kraft. 1980 startete die Evangelische Kirche von West- und Ostdeutschland die Friedens-Dekade. Aus dieser entstanden an der Leipziger Nikolaikirche 1982 die Friedensgebete. Sie werden seit 20. September bis heute jeden Montag gehalten. Immer wurden und werden aktuelle Sorgen angesprochen – heute etwa die Folgen der Finanzspekulationen . Der Zorn bekam einen spirituellen Rückhalt und wurde in Gewaltlosigkeit gebettet. In den Friedensgebeten erlebten die Menschen, unter ihnen viele Jugendliche, die Kirche als einzigen Ort der Freiheit. „Die Kirche hatte das Monopol auf Freiheit“, sagte Führer. Wie in der Nikolaikirche gab es auch in anderen Pfarren Friedensgebete. Christian Führer erläuterte im Vortrag an Beispielen, wie der diktatorische Staatsapparat die Kundgebungen des Freiheitswillens in den Kirchen zu unterdrücken versuchte. Und wie er damit das Gegenteil erreichte, den wachsenden Widerstand nährte. Die Nikolaikirche war und ist „offen für alle“, ist heute noch vor der Kirche zu lesen. So konnte sich z.B. auch die Punker-Band „Wutanfall“ im Rahmen der Gebete ausdrücken. Sinnbildlich gab das Gebet dem Wutanfall des Volkes ein Ziel.