Händewaschen ist angesagt, viel Händewaschen, denn eine Grippewelle steht bevor. Also Vorsicht! Dann erwischt sie einen – vielleicht – doch nicht. Die Vorsicht steht hoch im Kurs heutzutage. Beim Geld, bei den Reisezielen, bei der Gesundheit. Selbst in Beziehungsangelegenheiten bleiben Menschen auf der „vorsichtigen Seite“. So sagen sie lieber nichts, als dass sie sich die Zunge verbrennen, mischen sich nicht ein, um nur ja nicht anzustreifen, gehen einander aus dem Weg, um nicht in etwas hineingezogen zu werden. Wo Vorsicht zum Prinzip wird, dort beengt und erstickt sie mit der Zeit immer mehr das Leben, als dass sie es schützt. Da bleibt es dann beim Händewaschen – ohne einen Kranken auch nur berührt zu haben. Leben selbst ist erstaunlich unvorsichtig – und mehr eine Sache von Empfindsamkeiten als von Schutzmaßnahmen. Wo nur die Vorsicht das Sagen hat, dort ist es um das Leben oft gar nicht gut bestellt – um das Leben der anderen vor allem, vor denen man sich schützt. Auch das ist Fasten: die Vorsicht nicht übergewichtig werden zu lassen und manche Schutzhandschuhe abzulegen, weil Leben Nähe braucht, Berührung und – Mut.