In jeder Krise steckt auch eine neue Chance. Ein Satz, der nicht nur für die Kirche, sondern auch für die heimische Politik eine Herausforderung darstellt. Die Korruptions- affären erschüttern die Glaubwürdigkeit in die politische Eliten. Welche Lehren man daraus zieht – neue Antikorruptionsbestimmungen, transparente Parteienfinanzierung etc. –, darüber darf man im Detail durchaus „streiten“. Aber was die Aufklärungsbereitschaft angeht, da kann man nach der letzten „Im-Zentrum“-Diskus-sion der Politik nur raten, sie mit derselben Ernsthaftigkeit anzugehen, wie das die Kirche gemacht hat – und ohne parteipolitisches Haxlbeißen.
Hans Baumgartner
Boxer und Politiker
Der ukrainische Box-Weltmeister Vitali Klitschko hat vergangenen Samstag wieder einen Sieg eingeheimst. Sein eigentlicher „Sieg“ aber steht noch aus. Seit der orangen Revolution (2004) ist Klitschko politisch aktiv, er hat eine Partei gegründet und sich für mehr Demokratie in seiner Heimat Ukraine eingesetzt. Denn die Hoffnungen, die zu Beginn der Revolution aufkeimten, sind dahin. Im Mittelpunkt der Regierung rund um Präsident Viktor Janukowitsch stehen Wahlmanipulationen, Korruption, Kontrolle der Medien; die ehemalige „orange“ Ministerpräsidentin, Julia Timoschenko, wurde im August 2011 verhaftet – zu Unrecht wie es heißt. Vitali Klitschko will im Herbst bereits zum dritten Mal für das Amt des Bürgermeisters in Kiew kandidieren. Vielleicht tritt er 2015 auch als Präsidentschaftskandidat an. Ein „Sieg“ wäre vielleicht eine Chance zu einer positiven Wende.
Susanne Huber