Polizisten haben die höchsten Vertrauenswerte in der Bevölkerung. Legt das nahe, dass die Leute lieber Uniformierte am Krankenbett sehen würden als eine Seelsorgerin oder einen Pfarrer? Ein Leitartikel von Matthäus Fellinger
Die Gerichte und die Polizei sowie die Gewerkschaften genießen die höchsten Vertrauenswerte der Österreicherinnen und Österreicher. Weit unten in der Skala befinden sich die politischen Parteien – und ganz tief unten die Kirchen. Diesen Trend weist eine neue sozialwissenschaftliche Studie aus. Legt das Umfrage-Ergebnis nahe, dass die Leute lieber einen Polizisten am Krankenbett sehen würden als eine Seelsorgerin oder einen Pfarrer, oder dass sie sich eher von einer Richterin ihre Lebensfragen auslegen ließen als von Theolog/innen?
Vertrauen entsteht durch Nähe. Nahe bei den Menschen zu sein, das ist die große Herausforderung an die Kirchen. Für viele ist die Kirche jedoch zu einer anonymen Größe geworden. Sie kennen sie vom Hörensagen. Nicht die Kirchen selbst sind Zieladresse des Vertrauens – sie verweisen vielmehr auf den, dem man vertrauen kann – auf Christus. Dass Menschen fähig werden, zu vertrauen – darauf käme es an – und noch mehr: dass sie selbst anderen gegenüber vertrauenswürdig sind. Ob es ein Priester ist, eine Polizistin, jemand aus der Nachbarschaft ist, wird dann nebensächlich. Unter Menschen ereignet sich Vertrauen.