„Mehr als du glaubst“ lautet das Motto der Katholischen Jugend für das Jahr 2012. In der Fastenzeit erzählen drei Jugendliche, was sie und ihre Glaubensorte verbindet. Diese Woche berichtet Julia Nösterer von Glaubensorten in Österreich und in Äthiopien.
Letztes Jahr verbrachte ich als Volontärin bei Kindern im Armenviertel von Addis Abeba in Äthiopien. Der Glaube an Gott ist dort deutlich wahrnehmbar, denn er ist im Denken und Handeln verankert. So entdeckte ich einen intensiveren Zugang zum Glauben. Die Kinder in Äthiopien meinen es ernst, wenn sie im Gebet um ihr tägliches Brot bitten. Und sie meinen es ernst, wenn sie auf Gott hoffen oder dankbar sind. Im Gebet oder beim Anzünden einer Kerze möchte ich diesen Kindern weiterhin Kraft geben.
Glaubensorte sind keine konkreten Plätze. Seit meinem Äthiopienaufenthalt bete ich daheim öfter als vorher. Aber im eigenen Land ist das gar nicht so einfach. Da es uns gut geht, ist hier der Glaube an Gott im Alltag weniger präsent. In Äthiopien hingegen kommt er einem alle zehn Minuten unter. Richtig spürbar wird mein Glaube immer bei und mit Kindern. Ich bin von Herzen gerne Jungschargruppenleiterin, denn die Gemeinschaft der Jungschar ist für mich ein Glaubensort. Gott begegnet mir nicht an konkreten Plätzen, sondern in der Interaktion, und vor allem in den Augen meiner Mitmenschen. Für mich ist es das Schönste, wenn ich von Anderen ein Lächeln oder einen dankbaren Blick bekomme. Das zeigt mir, dass sie von meiner Nächstenliebe erreicht werden. Glauben hilft, wenn man ansteht. Meinen Glauben spüre ich vor allem dann, wenn ich mit meinen begrenzten Fähigkeiten und Energien an ein Ende gelange. In Äthiopien dachte ich anfangs, dass so viel Hilfe benötigt wird und ich alleine nichts bewirken kann. Mit der Einstellung: „Was gibt es schon zu verlieren!“, probierte ich das Beten aus und merkte, dass meine Bitten bei Gott und bei meinen Mitmenschen ankommen. Es ist immer jemand da, der mir weiterhilft, wenn ich nicht mehr weiter weiß. Dadurch habe ich das Gefühl, nicht alleine zu sein.