Der Pastoraltheologe Prof. Matthias Sellmann sieht besondere Chancen in dem Dienstleistungscharakter von Kirche. Hier würde Kirche in ihr Außen katapultiert.
07.03.2012
- Paul Stütz
„Gut, dass es die Pfarre gibt ... aber das allein wird für die Kirche nicht genügen.“ So könnte man den aktuellen Slogan zur Pfarrgemeinderats-Wahl in der Diözese Linz etwas abändern, um Prof. Matthias Sellmanns Thesen zusammenzufassen. Der Pastoraltheologe referierte beim Linzer Studientag am 1. März im Priesterseminar unter dem Titel „Über die Kerngemeinde hinaus. Neue Formen des Kirche-Seins“. Die Pfarren erreichen nur noch einen Bruchteil der Menschen, konstatiert Sellmann. Zudem blieben die engagierten Pfarrmitglieder viel zu oft als Gruppe unter sich. Die Pfarren seien längst nicht für alle offen. Besonders gegenüber der Unterschicht ortet der Theologe in den Pfarren eine oftmals vorherrschende „soziale Exkommunikation“. Dabei brauche es auch eine Einstellungsänderung. So dürfe es etwa nicht weniger wert sein, wenn sich jemand nur zwei Mal im Jahr in der Kirche blicken lasse und nicht jeden Sonntag.
Damit sich die Milieuverengung der Kirche überwinden lässt, plädiert Sellmann für einen Ansatz der Pfarren als Netzwerk. Etwa in Kooperation mit den Gemeinden, Verbänden und der ganzen Zivilgesellschaft. Nutzen solle man auch die vielen verschiedenen bereits bestehenden Sozialformen von Kirche, wie Pilgern oder Events. Besondere Chancen sieht er in dem Dienstleistungscharakter von Kirche. Hier würde Kirche in ihr Außen katapultiert.