Rund 150.000 Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher besuchen an einem durchschnittlichen Sonntag den Gottesdienst. Am Palmsonntag sind es fast doppelt so viele.
Ausgabe: 2012/13, Palmsonntag, Palmbuschen, Heilige Woche, Feiertage, Part
27.03.2012
- Matthäus Fellinger
An hohen Feiertagen sind Oberösterreichs Kirchen nach wie vor dicht gefüllt. Der Palmsonntag sticht dabei besonders hervor. Dabei werden die Gottesdienstbesucher keineswegs mit einfachen Botschaften konfrontiert. Zum ersten Mal wird in den Kirchen die Leidensgeschichte Jesu vorgetragen. Für viele ist es wohl die vorausgehende Palmprozession, die sie für den Kirchgang motiviert.
Ob Brauchtum oder Glaube – oder dass sich hier beides gut verbindet – die Motive, warum Menschen gerade an diesem Tag in die Kirche kommen, sind wohl sehr unterschiedlich. Für Pfarrer Helmut Part aus Schwanenstadt ist auch das mit ein Grund: dass die Leute an diesem Tag etwas in der Hand haben – eben den Palmbuschen oder einen Palmzweig –, in dem sie ein Zeichen des Segens sehen. Einen Segen mit nach Hause nehmen zu können sei für viele ein starkes Motiv. Dass vieles am Segen Gottes gelegen ist – dieses Empfinden war in einer Zeit besonders wach, als es noch keine Versicherungen gab, die vor Schaden schützten. Und irgendwie wollen Menschen diesen Segen auch heute nicht missen.
Freude über die „Dazugekommenen“. „Ich freue mich, wenn die Leute wenigstens zu den hohen Festtagen in die Kirche kommen“, meint Pfarrer Part. Zu einem solchen positiven Blick rät auch die Linzer Pastoraltheologin Hildegard Wustmans: „Wenn Menschen an diesem Tag in die Kirche kommen, drücken sie damit aus, dass ihnen dieser Tag ein wichtiges Datum ist – und darüber sollte man sich freuen. Die Menschen zeigen damit, dass dieser Tag in ihrem Leben eine besondere Bedeutung hat.“ Aus der Tatsache, dass viele an „gewöhnlichen“ Sonntagen selten in der Kirche zu sehen wären, sollte man nicht gleich auf mangelnde Kirchennähe schließen, meint die Theologin. An diesem Tag sind sie da – und es bedeutet ihnen etwas. „Wenn ich es für mich selber als wichtig erachte, dass ich in die Kirche gehe, sollte ich mich über alle freuen, die an diesem Tag dazukommen“, rät Wustmans zu einer positiven Sichtweise. In der Seelsorge gelte es sich zu fragen, ob die Freude an den anderen Sonntagen auch wirklich vermittelt wird.