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Alternativen zur globalen Geldwirtschaft

Jederzeit wissen, was mit angelegtem Geld geschieht – und dabei die regionale Wirtschaft fördern. Die Global-Marshall-Plan-Regionalgruppe Steyr-Kirchdorf hat ein Modell entwickelt. Am 17. April wird es in Micheldorf präsentiert.
Ausgabe: 2012/15, Geldwirtschaft, Steyr, Kirchdorf, Micheldorf, Geld,
11.04.2012
- Matthäus Fellinger
© Bildagentur Waldhaeusl
„Den Stein ins Rollen bringen.“ Das war das Motto, mit dem vor sieben Jahren eine eben gegründete regionale Initiative in der Region Kremstal die Anliegen des „Global Marshall Planes“ aufgegriffen hat. Was kann in ­einer Region getan werden, damit die Weltwirtschaft nicht gegen die Wand fährt und alles in einem Kollaps endet?
Der Stein kam tatsächlich ins Rollen. Der Verein „MehrWertGeld“ wurde ins Leben gerufen. Dieser entwickelte eine neue Spar- und Kreditform für die Region Steyr-Kirchdorf. Am 17. April wird das Modell der Öffentlichkeit um 19 Uhr im Freizeitpark Micheldorf präsentiert. Zwei für die Region wichtige Banken konnten gewonnen werden mitzumachen: die Raiffeisenbank Micheldorf und die Sparkasse Kremstal-Pyhrn.  
Diakon Carlo Neuhuber gehört mit zu den Initiatoren. „Viele haben uns gesagt: Macht da etwas“, erzählt er.

Geld bleibt in der Region. Das Prinzip ist einfach: Leute, die Geld haben, können als Kreditgeber für einen Zinssatz von 1 Prozent Geld einzahlen – und erhalten dafür einen Mehrwert-Sparbrief.
Wer einen Kredit braucht, bekommt diesen mit einem Zinssatz von 1 Prozent und einem Riskoaufschlag, der zwischen 0,1 und 2 Prozent liegen kann, sowie einer Bearbeitungsgebühr von 0,5 Prozent. Die beteiligten Banken prüfen die Bonität der Kreditnehmer und der Verein prüft, ob das Projekt, das mit dem Darlehen finanziert werden soll, auch einem festgelegten Kriterienkatalog entspricht.
„Das Geld bleibt in der Region“, versprechen die Betreiber, also werden ausschließlich ­regionale Projekte damit finanziert. Die Sparer können selbst entscheiden, welche Art Projekte sie finanzieren wollen – und sie haben auch das Recht, jederzeit zu erfahren, was gerade mit ihrem Geld geschieht.

Teilweiser Zinsverzicht. Das System soll völlig unabhängig von den Geld- und Kapitalmärkten nur durch die Einlagen der „MehrWertSparer“ funktionieren. Durch den teilweisen Zinsverzicht aller Beteiligten will man ein Gegenbeispiel schaffen, dass nicht durch die Zinseszinsdynamik die Belastungen ins Unendliche wachsen.
Wert gelegt wird auf Regionalität: Sowohl die Sparer als auch die Kreditnehmer kommen aus der Region selbst. „Wir wollen einen Mehrwert für die Region erreichen“, sagen die Veranstalter. Andere Regionen könnten ja Ähnliches nachmachen.
Für Carlo Neuhuber schwingt dabei immer die spirituelle Bedeutsamkeit mit. Auch wie man mit seinem Geld umgeht, hat mit dem Glauben zu tun.  

- Di. 17. April, 19 Uhr, Freizeitpark Micheldorf. www.mehrwertgeld.at

„Wenn wir die Liebesbotschaft, welche Jesus Christus durch seine Lehre, sein Leben und seinen Tod in die Welt gebracht hat, als Weg in eine neue Qualität menschlichen Lebens und menschlichen Bewusstseins begreifen und wenn wir bereit sind, sie auch zu leben, dann ergeben sich daraus ganz klar neue Überlebensstrategien für eine zukunftsfähige und friedensfähige Entwicklung.“

Josef Riegler, Ehrenpräsident des Ökosozialen Forums, bei einem Vortrag im März 2012
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