Ali Reza* aus dem Iran feierte am Ostersonntag seinen 19. Geburtstag. Im Asylwerberhaus von Langenstein. Dass er lachen kann, eine Perspektive für sein Leben hat – dazu hat ganz wesentlich der Arbeitskreis Flüchtlingshilfe „für mich und du“ der Pfarre St. Georgen an der Gusen beigetragen.
Ausgabe: 2012/15, Bibel, Buch, St. Georgen, Solidaritätspreisträger, Ali Reza
11.04.2012
- Josef Wallner
Ali Reza* empfängt den Besuch in seinem Zimmer in der „Pension Langenstein“, wie die Asylwerber ihre Unterkunft nennen. Ein Gast kann in einem Lehnsessel Platz nehmen, die anderen setzen sich auf die beiden Betten. Ali Rezas pakistanischer Zimmerkollege ist zum Glück nicht da. Zwischen den Betten hat gerade ein schmales Couchtischchen Platz, ein Kasten, ein Kühschrank und ein Fernsehgerät komplettieren die Einrichtung. Seine „Wohnung“ ist einfach, aber er ist froh, dass er in Langenstein gelandet ist.
Ein Buch voll Liebe. Ali Reza hat einen weiten Weg hinter sich, an dessen Anfang die Bibel steht. Seine Cousine gab ihm das Buch. „Ich habe die Bibel gelesen und gespürt, dass es ein Buch voll von Liebe ist.“ Besonders haben ihn die Christen beeindruckt, mit denen er in Kontakt kam: „Sie haben allen Menschen geholfen.“ „Allen“, betont Ali Reza, nicht nur den Christen. Bevor er an die Taufe denken konnte, erkundigte sich schon die Polizei nach ihm. Konversionen vom Islam zum Christentum sind im Iran streng verboten. Er konnte sich nur mehr von einem Teil seiner muslimischen Familie verabschieden. Die Flucht ist geglückt. Der Traum vom Studium. Nach einigen Wochen im Aufnahmezentrum Traiskirchen kam Ali Reza nach Langenstein, wo er nun schon elf Monate wohnt. Was er seither erlebt hat, kommt ihm wie ein Wunder vor: Mit kräftiger Unterstützung des Flüchtlingsarbeitskreises wurde – im zweiten Anlauf – sein Asylantrag positiv beschieden. Er darf im sicheren Österreich bleiben. Ein Fest für alle war auch die Taufe in einer evangelischen Gemeinde in Linz. Dort geht er regelmäßig in den Gottesdienst. Zurzeit holt er den Hauptschulabschluss nach. Sechs Prüfungen hat er geschafft, fünf davon mit Sehr gut, acht fehlen ihm noch. Bis Ende Juli will er fertig sein und eine Lehre mit Matura beginnen. In der Heimat besuchte er eine HTL. Sein Traum: „Ich denke jeden Tag an ein Studium an der Uni.“
Deutsch ist der Schlüssel. Die Wand über seinem Bett hat Ali Reza mit weißen Blättern tapeziert. Auf ihnen stehen Vokabeln auf persisch und auf Deutsch. Selbstverständlich führt er das Gespräch mit dem Besuch auf Deutsch: „Ich kann mir gar nicht vorstellen, was ich ohne diese hier gemacht hätte.“ Er zeigt auf die Mitarbeiter vom Flüchtlingsarbeitskreis. Er hat natürlich recht. Aber die Freude, dass ein junger Flüchtling auf einen so guten Weg gekommen ist, wiegt die ungezählten Stunden an Einsatz mehr als auf. Das sagt das Lächeln auf ihren Gesichtern.