„Mei potschertes Leb’n“ hieß das Lied, in dem Hansi Orsolic, Österreichs Box-Star der späten Sechzigerjahre, sein ganzes Elend zum Ausdruck brachte. So ziemlich alles war in seinem Leben schief gelaufen. Alkohol, Schulden, Scheidung, noch mehr Schulden. Die Leute mochten ihn trotzdem. Da überschlagen sich einzelne Boulevardblätter über das Leben eines Pfarrers und seiner angeblichen Geliebten. Letztere verkommt zur „drallen Blondine“, er zum lüsternen Sexpfarrer. Von den „Tatbeständen“ abgesehen – diese Sprache wirft auch ein Licht auf die„Lüsternheit“ derer, die den Fall ausschlachten. „Mit ein paar heruntergebeten Rosenkränzen ist die Sache für die Kirche aber meist erledigt“ lautet der Kurzschluss in einem der Blätter. Ist sie keineswegs! Gerade Menschen mit einem „potscherten Lebn“ steht Aufmerksamkeit zu – vom Evangelium her. Sind die Moralapostel des Boulevards wirklich so viel besser im Umgang mit Gescheiterten? Ich weiß mich in einer Umgebung besser aufgehoben, in der man Fehler nicht in der Aura des Spottes belässt, um sich dann ins nächste Thema davonzustehlen. „EU nimmt uns die Käsekrainer weg“ stand auf der Titelseite. An den Raubzug an Menschenwürde hat man nicht gedacht.