Passt am Arbeitsplatz alles? Entsprechen die Wohnungen? Oder könnte etwas verbessert werden? – Mit solchen Fragen stellen die Evaluator/innen von Proqualis den Kund/in- nen in Einrichtungen der Behindertenhilfe vor, worum es bei ihrem Besuch geht.
Ausgabe: 2012/17, Experten, Betroffene, Proqualis, Johannes Kepler Universität, Behindertenhilfe, Arbeitsplätze
25.04.2012
- Ernst Gansinger
Die Mitarbeiter/innen von Proqualis kommen zu dritt oder viert, sind selbst Kund/innen von Einrichtungen für Menschen mit Lernschwierigkeiten oder Mehrfachbeeinträchtigung (gewesen). Eine Assistentin begleitet sie. Sie evaluieren Dienstleistungen für Menschen aus dieser Gruppe, überprüfen die Qualität der Leistungen. Nach dreijähriger Ausbildung haben sie, die vorher am zweiten Arbeitsmarkt beschäftigt waren, Arbeit am ersten Arbeitsmarkt.
Arbeitsplätze und Wohnungen. Sie prüfen, ob die Wohnungen und Arbeitsplätze für Rollstuhlfahrer, blinde Menschen und gehörlose Menschen geeignet ausgestattet sind, und kontrollieren, ob sich die Menschen sicher fühlen können. Sie befragen Betroffene. In Einzel-Interviews gehen sie mit diesen anhand eines von den Proqualis-Mitarbeiter/innen ausgefeilten, in leicht verständlicher Sprache abgefassten Fragebogens bestimmte Themen durch. Etwa, wie es in der Einrichtung um die Sicherheit steht, ob die Privatsphäre geachtet wird, wie gut sich die Betroffenen betreut wissen und ob es eine Interessensvertretung gibt. Mit diesen Ergebnissen füttern sie anonymisiert die Computer im Büro an der Universität Linz. – Man ist nicht zufällig an der Uni, denn an der Wiege von Proqualis steht das räumlich benachbarte Institut „Kompetenznetzwerk Informationstechnologie zur Förderung der Integration von Menschen mit Behinderungen“. – Nach der Aufbereitung der Daten stellen die Evaluator/innen die Ergebnisse in einem vierten Schritt in den Einrichtungen vor. Nach dreijähriger Ausbildung. Vor drei Monaten hat ihre Arbeit begonnen. Das Team schließt nun bald den ersten Auftrag ab. Karl Mühlbachler, einer der Evaluatoren, ist begeistert von der Arbeit. Er hat die Ausbildung gemacht, „weil ich hoffte, vielleicht etwas bewegen zu können“. Als Betroffener kennt er die Bedürfnisse von Menschen mit Beeinträchtigung sehr gut. Und ist nun stolz, dass er als Evaluator arbeiten kann. Franziska Mitter, ebenfalls eine Evaluatorin und Expertin als Betroffene, hat sich immer schon für Qualitätsstandards in den Werkstätten der geschützten Arbeit interessiert. Da hat die Ausbildung haargenau gepasst. Es hat sich also ausgezahlt, die dreijährige Ausbildung (angeboten von FAB Organos) zu machen, bestätigen alle. Sie konnten nun sogar Uni-Wissenschaftler/innen als Expert/innen in eigener Sache schulen, wie Menschen mit Beeinträchtigung befragt werden müssen, um zu einem verwertbaren Ergebnis zu kommen.