Zivildiener in der Landwirtschaft helfen Bauern in Notsituationen. Severin Kapplmüller (21) aus Schwertberg ist einer von den rund 20 jungen Männern, die jährlich auf Oberösterreichs Höfen wertvolle Arbeit leisten.
Seit einem Monat ist Severin Kapplmüller als Zivildiener in der Landwirtschaft im Einsatz. In Mönchdorf, wo er am Hof der Bäuerin Michaela Leithner und ihrer Schwiegermutter Anna Leithner von Montag bis Freitag lebt und arbeitet. Es ist kein typischer 40-Stunden-Job, den Severin Kapplmüller macht. „Den gibt es in der Landwirtschaft auch nicht. Es ist immer etwas zu tun“, sagt er. Zehn Stunden am Tag von Montag bis Freitag hift er dort, insbesondere bei der Maschinen-, Feld- und Forstarbeit. „Derzeit heißt das zum Beispiel, dass ich den Mist ausbringe“, erzählt Severin. Wie die meisten Zivildiener in der Landwirtschaft kommt der Schwertberger selbst von einem Bauernhof. So können und sollen sie am Betrieb eine ausgefallene Arbeitskraft ersetzen. „Die Tätigkeit ist im Prinzip nix Neues“, sagt Severin Kapplmüller: „Der Präsenzdienst beim Heer hätte mich im Gegensatz dazu nicht wirklich gejuckt. Zivildienst in der Landwirtschaft ist wirklich sinnvoll.“
Härtefälle abfedern. Insgesamt neun Monate dauert auch in der Landwirtschaft der Zivildienst. Der Einsatz der jungen Männer gilt der Überbrückung von Härtefällen. Denn unabhängig davon, ob ein Betriebsleiter durch Unfall, Krankheit oder gar durch Tod ausfällt: Die Arbeit auf einem Bauernhof kennt keine Pause. Die Tiere wollen gefüttert, die Felder bestellt, die Wiesen gemäht werden. Nicht anders ist es bei den Leithners, die besonders schlimme Schicksalschläge zu verkraften hatten. Michaela Leithners Ehemann ist vor fünf Jahren nach schwerer Krankheit gestorben, ihr Schwiegervater hat vor elf Jahren den Kampf gegen den Krebs verloren.
Betrieb nicht aufgeben. „Ich habe nicht lange überlegt, ob ich den Bauernhof weiterführe“, sagt Michala Leithner: „So kann ich mich gleichzeitig gut um meine vier Töchter kümmern“, sagt sie. Damit der Vollerwerbsbauernhof mit insgesamt 25 Hektar Grün- und Waldfläche sowie 17 Milchkühen nicht aufgegeben werden musste, waren sie und ihre Schwiegermutter jedoch auf zusätzliche Unterstützung angewiesen. Dabei waren und sind die Zivildiener die beste Lösung. Mittlerweile ist Severin Kapplmüller der sechste junge Mann, der so bei den Leithners mit anpackt. „Sie wohnen hier bei uns und wachsen in die Familie hinein“, meint Michaela Leithner.
Zivildiener in der Landwirtschaft
Seit über 20 Jahren wird damit in Not geratenen landwirtschaftlichen Betrieben geholfen. Die Abwicklung des Zivildienstes erfolgt über die Landwirtschaftskammer Oberösterreich.
- Kontakt: Johannes.Riegler@lk-ooe.at, Tel. (050) 69 02-12 25.