Echte Liebe sagt nicht: Gott sei Dank bin ich nie in die Situation gekommen, dass meine Hilfe gefragt gewesen wäre. Wer glaubt und liebt, wartet nicht zu, bis sich eine Gelegenheit dazu von selbst ergibt. Ein Leitartikel von Matthäus Fellinger
Ich glaube – auch ohne Kirche, meinen viele. Sagte nicht Augustinus: Liebe, und dann tu, was du willst, oder Teresa von Avila: Gott allein genügt? Stimmt. Aber Augustinus hat die Liebe mit dem Tun verknüpft, und bei Teresa geht es darum, Werkzeug Gottes zu werden. Was nützt der beste Wille, wenn er nicht zur Tat wird? Etwas gut meinen allein ist so wertvoll wie ein Apfel, den man verfaulen lässt. Es ist eine Gabe vielleicht, die aber zum Geben führen will. Wirklicher Glaube sucht nach den Orten, an denen er sich verwirklicht. Echte Liebe sagt nicht: Gott sei Dank bin ich nie in die Situation gekommen, dass meine Hilfe gefragt gewesen wäre. Wer glaubt und liebt, wartet nicht zu, bis sich eine Gelegenheit dazu von selbst ergibt. Die „vergrabenen Talente“, von denen Jesus spricht, bestehen wohl zu einem guten Teil aus frommen Absichten, die nie zur Tat geworden sind. Und was hat es mit Kirche zu tun? Sie bringt Menschen in Verbindung: Die helfen können mit jenen, die Hilfe brauchen. Die frohen Herzens sind mit den Trostlosen. Kirche führt vor Augen, was ein frommes Herz allein oft gerne übersieht. Eine Sehschule der Nächstenliebe ist sie. Man kann sie nutzen.