Lehrerdienstrecht. Neue Mittelschule. Matura neu. Kaum ein Bereich ist derart in Bewegung wie die Schule – und damit auch die Lehrer/innen-Ausbildung. Am 1. Oktober wird Franz Keplinger Rektor der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz.
Ausgabe: Schule, Rektor Franz Keplinger, Lehrerdienstrecht, Mittelschule, Matura, Studenten, Herausforderung
08.05.2012
- Matthäus Fellinger
Den Deutsch-Aufsatz, in dem der damals elfjährige Franz Keplinger Lehrer als seinen Traumberuf beschrieb, hat der designierte neue Rektor der Pädagogischen Hochschule aufgehoben. Gute Lehrerinnen und Lehrer gaben den Ausschlag. Dafür zu sorgen, dass aus Studierenden Lehrer/innen-Persönlichkeiten werden, wird seine Aufgabe sein. Bereits ein Jahr zuvor muss ein Wechsel in der Rektorenschaft entschieden sein. So verlangt es das Ministerium – für Keplinger Zeit, sich in die umfangreiche Materie, eine Vielzahl an Gesetzen und Bestimmungen, einzuarbeiten. 17 Jahre ist er selbst Lehrer gewesen, neun weitere war er für die Fort- und Weiterbildung von Lehrer/innen verantwortlich.
Boom an Studierenden. 1700 Männer und Frauen studieren zurzeit an der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz – doppelt so viele wie vor fünf Jahren. Eine große organisatorische Aufgabe wartet also. Auch für das kommende Jahr dürfte die Zahl der Interessierten die Platzmöglichketien übersteigen. Das Land braucht neue Lehrkräfte, denn in den nächsten zehn Jahren werden die Hälfte der jetzigen in Pension gehen.
Herausforderungen. Immer mehr Verantwortung in der Begleitung von Kindern und Jugendlichen wandert von der Familie in die Schule. Die Rahmenbedingungen in der Gesellschaft haben sich geändert. „Die Kinder sind nicht schwieriger geworden, aber anders“, verwehrt sich Keplinger gegen ein Schlechtreden der Jugend oder der Eltern. „Wenn beide Eltern berufstätig sein müssen, dann müssen wir darauf reagieren“, meint er. Die Aufgaben und die Herausforderungen seien größer geworden – für alle Beteiligten.
Religion in der Schule. In immer kürzeren Abständen gerät der Religionsunterricht in die politische Diskussion. Franz Keplinger betrachtet das mit Sorge: „Religion und Bildung gehören zusammen“, lautet sein Credo. „Religion braucht einen guten Platz in der Gesellschaft, weil sie auch im Leben der Menschen einen wesentlichen Platz einnimmt.“ Deshalb – so Keplinger – soll sich die Kirche in der Lehrer/innenausbildung engagieren. Die Diözese Linz tut das bereits seit 1854. Gerade in einer Zeit der stärkeren Ökonomisierung sei es wichtig, auch alternative Lebensmodelle einzubringen. Lehrerinnen und Lehrer sollten gesellschaftskritische Leute sein. Sie müssen fachlich etwas können, aber sie sollen auch auf eine bestimmte Art und Weise in der Welt stehen – als Persönlichkeiten. Zusammenarbeit. „Ich bin ein Vertreter einer Kultur des Miteinanders.“ Damit meint Keplinger das gute Klima im Haus selbst, auf das er bauen kann. Er setzt aber auch auf die Kooperation unter allen Lehrer/innen-Bildungseinrichtungen. Innerkirchlich betrifft das etwa die Zusammenarbeit mit der Kath.-Theol. Privatuniversität, außerkirchlich mit der Johannes-Kepler-Universität und der Pädagogischen Hochschule des Bundes in Linz.
Behutsam reformieren. Dass nach einer Phase der ständigen Reformen eine Phase der Konsolidierung kommt, hofft der künftige Rektor, denn „man kann durch ständige Veränderungen Systeme auch überfordern“. Behutsam mit den Veränderungen in der Gesellschaft Schritt zu halten, ist für ihn dennoch wichtig. „Gute Organisationen atmen, sie stöhnen nicht.“ Dieser Spruch hängt über der Tür in seinem Büro, ganz hinten im Gebäudekomplex der Hochschule. Im Herbst wechselt er an die Vorderseite.