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„Die Reise sollten alle machen“

„Beim Anblick der Ruinen der Gaskammern und Krematorien konnte ich meine Tränen nicht zurückhalten ...“ – Zum zweiten Mal beteiligten sich heuer Schülerinnen und Schüler der HAK 1 Wels am „Gedenkmarsch der Erinnerung und Hoffnung“ am interna­tionalen Holocaust-Gedenktag in Auschwitz.
Ausgabe: 2012/19, Reise, Wels, Holocaust-Gedenktag, Auschwitz, Symbolik, Arbeit, Zeitzeuge, Feingold
09.05.2012
So eine Reise zu den Erinnerungsstätten des NS-Terrors sollten alle machen, resümieren die Schüler/innen Klara, Johanna und Aline aus der III D der HAK 1 Wels. Sie besuchten das Stammlager Auschwitz 1, machten einen Stadtrundgang im ehemaligen jüdischen Viertel Kazimierz in Krakau, besichtigten dort auch zwei der acht Synagogen und nahmen teil am Gedenkmarsch nach Auschwitz-Birkenau, den tausende überwiegend jüdische Jugendliche aus aller Welt gingen. Es war ein Weg in gemischter Stimmung: Freude über das (Über-)Leben und Trauer wegen der 1,2 Millionen Ermordeten. Die Symbolik der in die Gleise von Birkenau gesteckten Holztafeln und die Texte, die Jugendliche darauf hinterlassen haben, ließ manche weinen.

Marco Feingold, Zeitzeuge. Ein besonderer Höhepunkt, so berichtet eine Teilnehmerin, war das Zeitzeugengespräch mit dem heute 99-jährigen Marco Feingold, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg. „Der Mann stand zwei Stunden kerzengerade vor uns und erzählte mit lebhafter Stimme schlimme Geschichten. Dieser Mann, der sechs Jahre in Haft war und drei KZs überlebt hat, beeindruckte mich fürs Leben.“

„Arbeit macht frei“. So ist heute noch der zynische Text über dem Lagertor in Au­schwitz zu lesen. Die Schüler/innen sammelten auf dem Gelände erschütternde Eindrücke, vermittelt von den Bildern, auf denen Babys, Kinder und Erwachsene zu sehen sind, an denen Experimente durchgeführt wurden, und von ausgestellten Kleidungsstücken wie auch den vielen Gebrauchsmitteln der KZ-Häftlinge, deportierter Juden aus ganz Europa. „Besonders erschreckend“ war der Raum, in dem rund 2000 kg Haare gelagert waren; ein Teil der Haare, die den Menschen gleich nach ihrer Ankunft abgeschnitten wurden. Ein Berg an Babyschuhen führte die Schüler/innen zur unbeantwortbaren Frage: „Wie kann ein Mensch nur im Stande sein, einem noch so unschuldigen Menschen etwas anzutun!“

Sessel-Symbolik. In der Großen Synagoge, die die Gruppe am zweiten Tag aufsuchte, sang der Kantor der Wiener Synagoge mit Begleitung polnischer Instrumentalisten traditionelle jüdische Lieder. Am Gelände des ehemaligen Ghettos standen viele Sessel – Symbole dafür, dass alle Juden ihre Wohnungen räumen mussten. Am Abend dieses Tages erfuhr die Gruppe noch die Geschichte einer polnischen „Gerechten unter den Völkern“ – die durch drei Jahre hindurch unter Todesgefahr sechs Juden vor den Nazis gerettet hatte.
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