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Jägerstätter schaut auf uns

In den Wochen vor dem Gedenktag des seligen Franz Jägerstätter (21. Mai) steht sein Haus offen – für alle, die einen halben oder ganzen Tag oder einen Abend in dem ehemaligen Bauernhof verbringen wollen. Die KirchenZeitung hat drei Frauen aus Tarsdorf, der Nachbargemeinde von St. Radegund, begleitet.
Ausgabe: 2012/20, Jägerstätter, St. Radegund, Tarsdorf, Gedenktag, Kamelger-Lutz, Eder
15.05.2012
- Josef Wallner
Monika Sommerauer trägt eine Klappbox in die Stube des Jägerstätter-Hauses und beginnt auszupacken. Müsli, Butter, Honig, selbst gebackenes Brot und eine Thermoskanne mit Kaffee stellt sie auf den Tisch – auf jenen Tisch, um den einst Franz und Franziska Jägerstätter mit ihren Töchtern saßen. Sommerauer kann sich zwar nicht mehr an die Zeit erinnern, als das Haus bewohnt war, dennoch hat sie dazu eine besondere Verbindung. Sie ist eine Enkelin des Ehepaars Jägerstätter. Gemeinsam mit ihren Freundinnen Barbara Kamelger-Lutz und Sabina Eder will Monika Sommerauer einen Vormittag im Jägerstätter-Haus verbringen: ohne großes Programm, ohne aufwändige Vorbereitungen, einfach die Atmosphäre aufnehmen. Barbara Lutz ist vor zwölf Jahren nach Tarsdorf gezogen. Einmal war sie seither anlässlich eines Festes kurz im Haus, heute ist sie das erste Mal bewusst da. Anders ist das bei Sabina Eder. Ihre Eltern haben immer wieder an den Wallfahrten zum Todestag von Franz Jägerstätter teilgenommen – ohne Kinder. Da setzte sich in ihr der Gedanke fest: Wenn ich einmal groß bin, gehe ich auch mit.
„Er war ein ganz normaler Mensch, der gesagt hat: Da tue ich nicht mit.“ Das beeindruckt die Enkelin an ihrem Großvater. Vor allem aber fasziniert sie, wie sich die Großeltern geliebt haben. Sie zieht den Band mit dem Briefwechsel der beiden aus der Tasche: „Musst mir mein Geschreibsel schon verzeihen, denn ich bin heute furchtbar übermütig, weil ich mich schon so sehr freue auf ein baldiges Wiedersehen“, schreibt Franziska Jägerstätter im März 1941 an ihren Mann. Nun kommt die Rede auf den Abschiedsbrief vom 9. August 1943. Monika Sommerauer hat ein Lesezeichen eingelegt: „Ich kann den Brief nicht vorlesen, ich muss dabei immer weinen.“ Sie reicht das Buch an ihre Freudin Barbara weiter, die zu lesen beginnt. – Danach herrscht Stille in der Stube.

Zur Überzeugung stehen.
„Folge deinen Träumen und werde, was in dir angelegt ist“, heißt es in einem Meditationstext, den Barbara Lutz mitgebracht hat. Treffender und knapper könnte man nicht sagen, was Jägerstätter ausmacht, sind sich die drei Frauen einig: „Zur Entfaltung bringen, was in dir angelegt ist.“ Danach wird die Runde bei Tisch aufgehoben, jede geht für sich durch das Haus. Neben der Stube vermittelt im ersten Stock das Schlafzimmer des Ehepaars noch einen Eindruck von der ursprünglichen Einrichtung im Haus, in anderen Räumen erinnern persönliche Gegenstände wie Gebetbuch, Bierkrug und Bibel an Franz Jägerstätter. Auf der Sonnenbank vor dem Haus treffen sich die Freundinnen wieder. Für die Behindertenbetreuerin Sabina Eder hat das Haus eine besondere Ausstrahlung: „In der Stube, im Schlafzimmer – dort ist so viel gebetet worden. Das spürt man bis heute.“ Barbara Lutz wird sich das Buch mit den Briefen des Ehepaars Jägerstätter besorgen: „Ich habe die Bereitschaft gespürt, mich mit Jägerstätter zu beschäftigen.“

Herausforderung für jeden. „Obwohl ich ein Enkelkind bin, ist Franz Jägerstätter für mich die gleiche Her­ausforderung wie für jeden anderen Menschen auch. Er ist einerseits Familienmitglied und es braucht doch die Auseinandersetzung“, meint Sommerauer: „Er hat vorgelebt, dass man genau das verwirklichen soll, wovon man überzeugt ist. Er ist ein Geschenk an viele Menschen und eine Richtschnur.“ Wenn sie durch die Räume des Hauses geht, meint sie zu spüren, dass er da ist, ihr Großvater Franz Jägerstätter: „Ich glaube, dass er auf die Leute schaut, die kommen.“
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