Maria Fellinger-Hauer bespricht Bücher von Karin Peschka, Maria Eliskases und Andre Heller.
Ausgabe: 2017/12
21.03.2017
- Maria Fellinger-Hauer
FanniPold
Um ein durch und durch alltägliches und scheinbar gewöhnliches Frauenleben in der fiktiven (oberösterreichischen) Kleinstadt Laurinz geht es in Karin Peschkas zweitem Roman. Die Hauptperson heißt Fanni und führt ein Leben als Hausfrau, Mutter und stellvertretende Filialleiterin in einem Supermarkt. Das ist nicht nur unspektakulär, es ist öd und langweilig, sodass Fanni für ihren „Weiberstammtisch“ allerhand erfinden zu müssen meint. Das geht von harmlosen Flunkereien bis zu
einer ungewöhnlichen Krebserkrankung. Als ihr die Freundinnen einen Herzenswunsch erfüllen und einen Tandemflug schenken, kommt es zum Absturz. Mit Poldi, ihrem Fluglehrer ohne Lizenz, bleibt sie verletzt im Wipfel einer Tanne hängen. Aus dieser Position denkt Fanni über die letzten Wochen vor dem Absturz und über ihre Lüge nach, die sie in diese Situation gebracht hat. Meisterhaft erzählt, voll Ironie und trotz pessimistischer Grundstimmung humorvoll.
Karin Peschka, FanniPold, Otto Müller, Salzburg 2016, 309 S., ISBN 978-3-7013-1244-3.
Im blauen Zug
Ein nach einem französischen Luxuszug benanntes Restaurant in Paris, das mehrfach zu literarischen Ehren kam und des Öfteren als Filmkulisse diente, gibt dem Band den Titel. In diesem „Le Train Bleu“ spielt die erste der 30 Erzählungen der im Salzkammergut lebende Maria Linschinger, die unter dem Namen ihrer ladinischen Großmutter Eliskases eine Reihe von Romanen und Erzählungen veröffentlicht hat. Geschichten über die Spielarten der Liebe (zwischen Mann und Frau) hat sie in ihrem jüngsten Buch gesammelt. Alle sind zwischen 2007 und 2012 entstanden und zum 70. Geburtstag der Autorin erschienen. Ihre Protagonisten sind zumeist Menschen – in den meisten Fällen Frauen – , die für die Liebe viel riskieren, Sicherheiten aufs Spiel setzen und auch verlieren. Herausragende Themen sind das Älterwerden, die Angst vor Verlust und die Erfahrung des Zurückbleibens, aber auch die Gewissheit, dass es für die Liebe nie zu spät ist. Viele Frauen werden sich in Eliskases’ Erzählungen wiederfinden.
Maria Eliskases, Im blauen Zug. Erzählungen zum Lob der Liebe, Verlag Bibliothek der Provinz, Weitra, 481 S., ISBN 978-3-990-28558-9.
Uhren gibt es nicht mehr
18 Gespräche, die der Wiener Künstler André Heller mit seiner Mutter Elisabeth Heller in ihrem 102. Lebensjahr geführt hat, sind in diesem Buch aufgezeichnet. Gespräche über das Wesentliche im Leben, über das Abschiednehmen, das Sterben, auch über Gott und die katholische Kirche. Ein schmales Bändchen voll Weisheit und Zärtlichkeit, voll Komik und hinreißender, ungeschminkter Verrücktheit.
André Heller, Uhren gibt es nicht mehr, Zsolnay, Wien 2017, 108 S., ISBN 978-3-552-105831-6.