KirchenZeitungs-Chefredakteur Matthäus Fellinger meinte in der Begrüßung zur Verleihungsfeier der Solidaritätspreise, es brauche nicht nur den kürzlich beschlossenen Stabilitätspakt für Österreichs Finanzen. Es brauche auch einen „Stabilitätspakt des menschlichen Zusammenlebens“.
„Auch hier ist Defizitabbau nötig“, setzte Matthäus Fellinger den Gedanken fort. – Einen beachtlichen Beitrag zu diesem Defizitabbau leisten die am 15. Mai im Landhaus geehrten Personen und Gruppen. Die Preisverleihung vor 300 Gästen, darunter sehr viel Prominenz aus Kirche, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur, wurde so zu einem fröhlichen Fest der gesellschaftlichen Stabilität.
Über den Zaun schauen. Bischof Dr. Ludwig Schwarz, Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Ackerl und Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer zeigten sich angetan von der Fülle solidarischer Initiativen im Land. Der Bischof nannte als Beispiel den solidarischen und wertschätzenden Umgang mit obdachlosen Menschen, den er erst jüngst wieder beim Besuch in der Caritas-Wärmestube erleben konnte. Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer setzte Solidarität in Verbindung mit der Haltung der Anteilnahme, des Interesses an den anderen. „Nur Gartenzwerge schauen nicht über den Zaun“, meinte er.
Fortschritte und Rückschläge. Vieles sei in den 19 Jahren, seit er für die Sozialpolitik in Oberösterreich zuständig ist, besser geworden, antwortete Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Ackerl im Interview auf die Frage, ob er Veränderungen wahrnehme. Er verwies auf die Fortschritte zur Integration und Inklusion (gesellschaftliche Einbeziehung) von Menschen mit Beeinträchtigungen. Schwierig sei es dagegen im Bereich des Asyls. Er bedauere sehr, wie Österreich mit Asylwerbern umgehe. Zur jüngsten Ablehnung einer Gemeinde, dort ein Asylwerber-Quartier zu eröffnen, sagte Ackerl: „Bei uns gibt es den Willen, standhaft zu bleiben“, also am ausgewählten Haus festzuhalten. Ganz anders auf Menschen aus Randgruppen reagiert die Pfarre St. Peter am Hart (eine der Solidaritätspreisträger/innen). Über deren Solidarität mit obdachlosen Menschen lesen Sie auf der gegenüberliegenden Seite 7.
Solidarität, Gerechtigkeit, Friede. Solidarität ist eine Aufgabe des einzelnen Menschen wie auch der Gemeinschaft – darin herrschte Übereinstimmung. – Was wir tun können, ist sehr viel, auch wenn es wenig erscheint, stimmte der Bischof einem Satz Albert Schweitzers zu. Er legte mit dem Hinweis auf das Opfer der Witwe (Lk 21,1–4) das Gewicht der Solidarität auf den Geist, in dem der Mensch handelt. In Sorge um eine wegen zunehmender Ungleichheit radikaler werdende Auseinandersetzung in Europa fordert Ackerl die Politik auf, nach Mitteln zu suchen, die sicherstellen, was die Menschen zum Leben brauchen. Pühringer verwies auf ein Wort von Papst Paul VI. „Entwicklung ist der neue Name für Frieden“, und mahnte Entwicklungszusammenarbeit als Aufgabe der Gerechtigkeit ein, die sich der Politik wie auch den einzelnen Menschen stelle.