Ganz am Anfang führte auch der Zufall Regie. Im Container mit Hilfslieferungen für Burkina Faso war noch Platz und beim Flohmarkt waren 30 Fahrräder übrig geblieben. Was Othmar Weber seit 1996 daraus gemacht hat, ist nachhaltige Hilfe zur Selbstständigkeit. Dafür erhielt er den Solidaritätspreis 2012.
Ausgabe: 2012/22, Fahrräder, Solidaritätspreisträger, Ing. Othmar Weber, Hilfslieferungen, Arbeitsplätze
29.05.2012
In Fakena, im zentralen Westen Burkina Fasos, leben etwa 6000 Menschen vorwiegend von kleinen Landwirtschaften und Handwerk. Die Idee Othmar Webers, hier mit Fahrrädern die Mobilität der Leute zu verbessern und damit zur Dorfentwicklung beizutragen, wurde begeistert aufgenommen. Mittlerweile ist das Fahrrad zum Symbol und zum Motor für den materiellen Fortschritt des Dorfes geworden. „Mit den Fahrrädern habe ich eigentlich fast nichts mehr zu tun“, erklärt der Altenberger Berufsschullehrer und Rotkreuz-Mann. Um die Übernahme, Verzollung und Komplettierung kümmern sich die Verantwortlichen in Fakena. „Die Zusammenarbeit mit dem Verein Yiponi funktioniert gut“, ist Weber zufrieden.
Verbesserungen Schritt für Schritt. Aus dem Erlös aus Verkauf und Reparatur der Räder konnte man bald einen Rettungswagen ankaufen, der im Notfall die einzige Möglichkeit darstellt, Kranke in das 60 km entfernte Provinzkrankenhaus zu transportieren. Eine Getreidemühle entstand, die von den Frauen betrieben und eigenständig verwaltet wird. Außerdem wurde die Ausstattung der Grundschule verbessert und eine Sekundarschule gebaut. Ein ganz wichtiges Projekt war die Grabung des öffentlichen Tiefbrunnens, der das ganze Jahr über sauberes Wasser liefert. Im Gesundheitsbereich konnte man die desolate Krankenstation sanieren, die Geburtenstation erweitern und eine Apotheke bauen. Neue Arbeitsplätze entstehen. „Für mich ist es ganz wesentlich, dass die Menschen mit dem, was man ihnen liefert, auch umgehen können. Sie sollen die Blechdächer selbst reparieren können, wenn es hereinregnet, und sie sollen Verschleißteile bei der Wasserversorgung ohne mein Zutun austauschen können.“ Othmar Weber sieht auch die Notwendigkeit, dafür entsprechende handwerkliche und technische Ausbildungen anzubieten. „Die Bevölkerung wächst rasant und das wäre vor allem für junge Menschen und Frauen eine echte Chance“, ist er überzeugt. Für Dezember ist Othmar Webers nächster Aufenthalt, sein 17., geplant. Die Schule mit fast 400 Schüler/innen, die derzeit keinen Wasseranschluss hat, soll endlich Brunnenwasser bekommen.