Zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre ist Westafrika von einer Dürrekatastrophe betroffen. In Hauptanbaugebieten für Getreide zeichnet sich weltweit für heuer eine schlechte Ernte ab. Die Folgen: Die Preise steigen. Der Hunger nimmt zu. Es müsste nicht sein. Die Caritas hat letzte Woche nach Wien zu einem „Hungerkongress“ geladen.
„Hunger ist die Pest unserer Zeit! Verschließen wir nicht die Augen, zeigen wir unsere Solidarität und unser Mitgefühl mit den 925 Millionen Hungernden weltweit.“ So heißt es in einem Appell zum Abschluss des zweitägigen Hungerkongresses, der am 2. Juni mit einer Kundgebung am Wiener Graben zu Ende ging. 700 Teilnehmer/innen hatten zuvor nach Strategien gesucht, mit denen der weltweite Hunger beendet werden könnte. Mit dem Kongress wollte die Caritas Druck auf die Politik ausüben, endlich vom Reden zum Handeln zu kommen.
Es gibt genug für alle. Die Sahelzone ist eine der Haupt-Problemzonen. Afrika hätte dennoch genügend Ressourcen, um alle zu ernähren, meinte Ambroise Tine, der Generalsekretär der Caritas Senegal. Dazu brauche es aber eine neue Wirtschaftspolitik und ein Ende der Ausbeutung afrikanischer Ressourcen durch ausländische Konzerne und afrikanische Politiker als Handlanger. Landraub, steigende Lebensmittelpreise und Spekulationen – das sind für die Caritas-Expert/innen die Hauptursachen für die Tatsache, dass rund 925 Millionen Menschen auf der Welt an Hunger oder Unterernährung leiden. Auch bewaffnete Konflikte und – immer mehr – der Klimawandel lösen Hunger aus.
Gerechte Verteilung. Der Präsident der Caritas Internationalis, Kardinal Oscar Rudriguez Maradiaga, sieht nicht in einem Nahrungsmittelmangel selbst den Grund für den Hunger, sondern in einer falschen Nahrungsmittel-Verteilung. „Eine Zukunft ohne Hunger ist möglich, wenn unser Hunger ein Hunger nach Teilhabe, Solidarität und Gerechtigkeit ist“, meinte er. Die Bekämpfung des Hungers sei immer auch eine Frage der ungleichen Chancen und ungerechter Strukturen, bediente sich der Kardinal der Begriffe der Befreiungstheologie. Hunger sei Sünde und Dunkelheit.
Europa gegen Hunger. In einer sehr engagierten Stellungnahme versprach die EU-Kommissarin für Internationale Zusammenabeit, Kristalina Georgieva, Europa wolle „mehr denn je eine dauerhafte Lösung für die Bewältigung der Nahrungsmittelknappheit suchen“. Gerade die jüngsten Hungerkatastrophen in Afrika hätten sie sehr betroffen gemacht, meinte die bulgarische Kommissarin. Schulterschluss Staat-Kirche. Beachtung fand bei der Konferenz der „Schulterschluss“ zwischen Staat und Kirche auf die österreichischen Verpflichtungen für die staatliche Entwicklungshilfe. Kardinal Christoph Schönborn rief auf, das Budget für Entwicklungszusammenabeit nicht weiter zu kürzen. Bundespräsident Heinz Fischer unterstützte das Anliegen. Die Kürzungen seien außerordentlich unerfreulich, betonte Fischer, es biete sich daher eine Koalition zwischen Bundespräsident und Kardinal an, um gemeinsam etwas zu bewegen. „Das wäre nicht die schlechteste Form der Zusammenarbeit von Kirche und Staat“, meinte Fischer.
Eine Revolution gegen den Hunger auf der Welt
In der Sahelzone hat die aktuelle Hungerkatastrophe dramatische Ausmaße erreicht. Das berichtete Ambroise Tine von der Caritas im Senegal beim internationalen Hungerkongress am Freitag und Samstag der Vorwoche in Wien. Bei diesem Kongress wurde deutlich: Es wäre möglich, den Hunger zu besiegen. Friedensnobelpreisträger Mohan Munasinghe sprach von einer „Revolution von unten“ gegen den Hunger, wenn Politik und Wirtschaft nicht handeln.