Geschwisterlichkeit und „Einheit“ sind zwei Schlüsselworte, die die Fokolarbewegung beschreiben. Das Ehepaar Ingrid und Dr. Karl Pree erzählt, wie es seit vier Jahrzehnten versucht im Geist der „Bewegung“ zu leben und was es ihr verdankt.
Ausgabe: 2012/23, Einheit, Karl Pree, Fokolarbewegung, Glaube
06.06.2012
- Josef Wallner
„Als Jurist habe ich anfangs etwas Angst gehabt, dass das Phantasten sind, aber das war unbegründet: Ich habe gespürt: Das ist das Leben, da ist Realität drinnen“, sagt Karl Pree, der Anfang der 1970er-Jahre über Einladung einer Krankenschwester zur Fokolarbewegung gekommen ist. Von Anfang an spürte er, dass ihn die Treffen im Glauben weiterbringen. Bei einer Tagung in Rom, wo er die Gründerinnen der Fokolarbewegung kennenlernte, hat er endgültig Feuer gefangen: „Mir ist dort aufgegangen, dass wir als Christen Vorbildfunktion in Beruf und Politik haben und die Einheit hineinbringen sollen.“ Der heute 77-jährige Pree war Direktor Stellvertreter in der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt Linz, „wo Parteipolitik eine große Rolle spielte und es dabei nicht immer fein zuging“. Außerdem engagierte er sich für die ÖVP im Linzer Gemeinderat, lange Jahre als deren Klubobmann. „Die Fokolarbewegung hat mir innerlich eine große Freiheit gegeben.“ „Tue recht und scheue niemand“ war ihm Programm: „Ich habe mich bemüht, stets im geschwisterlichen Geist zu sagen, was ist, und dann die Einheit zu suchen.“ So hält er es bis heute: am Boden der Sachlichkeit bleiben, nicht Zank und Streit schüren. Als Politiker kam Pree bereits Anfang der 1990er-Jahre in Kontakt mit dem Muslimen Zekeriya Eser (Solidaritätspreisträger der KirchenZeitung 2001), daraus wuchs im Laufe der Zeit ein christlich-muslimischer Dialog, der bis heute dauert und erst vor einigen Wochen wieder sechzig Gläubige beider Religionsgemeinschaften zusammengeführt hat.
Wie Geschwister. „Wenn man bei der Bewegung ist, schaut man Dinge anders an – auch Schmerz und Leid“, sagt Pree. Das kann seine Frau Ingrid nur unterstreichen. Sie hat sich der „Bewegung“ angeschlossen, weil sie die Fokolare wie Geschwister erlebt hat, als ihr Mann sich von einem Tag auf den anderen einer schweren Operation unterziehen musste. „Ich hatte unsere beiden Kinder zu versorgen, die Fokolarbewegung hat mir viel Trost und Zuversicht gegeben.“ Seither geht sie wöchentlich zum Frauenkreis und das monatliche „Wort des Lebens“ ist ihr Halt.