Sein Name steht für Versöhnung und Gewaltfreiheit, die zutiefst in der Botschaft Jesu Christi wurzeln: Friedensaktivist Jean Goss (1912-1991). Im Haus der Begegnung in Innsbruck fand mit Beteiligung seiner Frau Hildegard Goss-Mayr, ein Symposion anlässlich seines 100. Geburtstages statt.
Ausgabe: 2012/24, Prophet, Gewaltfreiheit, Jean Goss, Geburtstag, Symposium
13.06.2012
„Die erste Stufe der Gewaltfreiheit ist die Nächstenliebe.“ Mit diesen Worten des großen Friedensaktivisten Jean Goss würdigte der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer diesen „Mystiker und Propheten der Gewaltfreiheit“. Vom Evangelium her, so Scheuer, gebe es einen „Zusammenhang von Mystik und Politik. Jean Goss und seine Frau Hildegard Goss-Mayr seien in ihrer Friedensarbeit von dieser Mystik getragen gewesen, „die im Anderen, im Armen, in der Gemeinschaft, in den gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Kontexten die Spuren Gottes sucht“. Scheuer erinnerte an ein Wort von Papst Benedikt, der einmal betont habe, „dass die christliche Gewaltlosigkeit kein rein taktisches Verhalten ist, sondern eine Seinsart: die Haltung der/desjenigen, die so sehr von der Liebe und Macht Gottes überzeugt ist, dass er/sie keine Angst hat, dem Bösen allein mit den Waffen der Liebe und der Wahrheit zu begegnen“.
Liebe. Beim Symposion, das am vergangenen Wochenende in Innsbruck stattfand, stellte Hildegard Goss-Mayr auch das von ihr mit Jo Hanssens von „Pax Christi“ herausgegebene Buch „Jean Goss – Mystiker und Zeuge der Gewaltfreiheit“ (Patmos-Verlag) vor. Darin wird auch ein mystisches Erlebnis von Jean Goss während seiner Kriegsgefangenschaft – er hatte aus Überzeugung gegen das „dämonische“ Nazi-Regime gekämpft – geschildert. Aus der Erfahrung der Liebe Gottes schloss er: „Ich liebe sie, die Menschen.“ Und aus dieser Sicht sei jeder Krieg unzulässig. Weil er das auch laut sagte, wurde er zum Tode verurteilt. Der Lagerleiter verhinderte seine Hinrichtung. Für Jean Goss begann ein Lebenseinsatz für Gewaltlosigkeit und Versöhnung, ein Programm, das er mit seiner Frau Hildegard auch auf dem II. Vatikanum zur Geltung bringen wollte. Weltweit organisierte das Paar an Krisenherden Seminare für Gewaltlosigkeit und begleitete u. a. die Rosenkranzrevolution auf den Philippinen (1986) als Berater.