Aufatmen in der Europäischen Union nach den Griechenlandwahlen vom letzten Sonntag. Ein erster Schritt aus der Krise? Doch: „Die Idee von Europa ist größer als die Frage, welche Währung man hat“, meint Caritas-Präsident Franz Küberl.
Die Anstrengungen Europas müssen weit über die Bemühungen einer stabilen Währung hinausgehen, meinten Caritas-Präsident Franz Küberl und Mathias Mühlberger, Direktor der Caritas Oberösterreich, in einem Journalistengespräch am Mittwoch, 13. Juni. Sie fordern so etwas wie eine „ökosoziale Finanzwirtschaft“. Besonders die enorme Jugendarbeitslosigkeit in einer Reihe von europäischen Staaten stelle eine tickende Zeitbombe dar. „Wenn in manchen Ländern die Hälfte der Jugendlichen im Wartesaal des Lebens stehen und nicht wissen, ob sie jemals herauskommen, ist Handeln dringend geboten“, meinte Küberl.
Die Zukunft liegt im Wir. „Man kann nicht von ,Gesundsparen‘ reden, wenn die Hälfte der Jugendlichen ohne Arbeit dastehe und wenn die medizinische Versorgung nicht mehr sicher ist“, sprach Mühlberger die Situation in Griechenland an. „Die Zukunft liegt im Wir“, hofft er auf eine tiefere europäische Soldarität, denn von der Krise sei ganz Europa betroffen. „Europa braucht eine Seele, keine Krämerseele“ formuliert Küberl. Es gebe – so der Caritas-Präsident – eine neue Form von Landesverrat: „Wer Geld hat, reist damit aus, und es bleiben nur die übrig, die nichts haben.“
Knappes Gut. Solidarität – so die Caritas-Verantwortlichen – sei ein knappes Gut, das immer wieder eingefordert werden muss.
Solidarität im In- und Ausland. Die Caritas Oberösterreich hat in diesen Tagen einen weiteren Anlass, öffentliche Aufmerksamkeit zu wecken: Vor 15 Jahren haben Persönlichkeiten das Forum „Freunde der Caritas“ gegründet. Von Anfang an leitet Anneliese Ratzenböck den Kreis, dem aktuell 120 Mitglieder angehören. Sie haben bisher 32 Projekte mit insgesamt 1,77 Millionen Euro unterstützt – jährlich je eines im Aus- und Inland. Lebenswerte Begegnung. Das neue Auslands-Projekt – die Unterstützung eines Kinderheimes in Novosibirsk, Sibirien – wurde am 20. Juni beim 15-Jahr-Jubiläum vorgestellt. Um jedes Projekt der „Freunde der Caritas“ nimmt sich eine Patin/ein Pate an. Direktor Jakob Leitner, Geschäftsführer der SPAR-Zentrale Marchtrenk und Pate des schon durchgeführten Projektes „Intensives Betreutes Wohnen St. Pius“, sieht für große Handelsunternehmen eine gesellschaftlich-soziale Verantwortung. Dabei stehe nicht der PR-Effekt durch die Übergabe eines Spendenschecks (im konkreten Fall: 127.618 Euro) im Vordergrund, sondern die emotionale Wirkung des Helfen-Könnens. SPAR betreibt mit der Caritas auch zwei Filialen, in denen Menschen mit Beeinträchtigung eine Ausbildung erfahren. „Erst durch die Begegnung mit Menschen wird das Leben lebenswert“, meint Leitner.
Leuchtturm. Caritas-Direktor Mathias Mühlberger dankte allen Freundinnen und Freunden der Caritas. Ihr Tun nannte er einen „Leuchtturm für den sozialen Zusammenhalt“.