Am 28. Juni besteht das Linzer Frauenhaus seit 30 Jahren. Wie die Situation zur Zeit ist und was sich im Vergleich zu früher verändert hat, erzählt Geschäftsführerin Grete Rackl in einem Gespräch.
Im Moment leben zwölf Frauen mit ihren Kindern im Linzer Frauenhaus. Jede von ihnen wurde Opfer von Gewalt. Dabei dreht sich nicht immer alles um physische Gewalt. „Meistens geht physische Gewalt mit psychischer, finanzieller und sexueller Gewalt einher“, schildert Grete Rackl. Vor allem für Frauen aus ärmlichen Verhältnissen oder mit Migrationshintergrund sei das Frauenhaus oft der letzte Ausweg. Geld, Arbeit oder eine fixe Wohnung bietet das Frauenhaus nicht. Es gehe viel mehr um Hilfe zur Selbsthilfe. „Wir begleiten die Frauen auf Behördengängen, bieten Hilfe bei rechtlichen Fragen, zeigen neue Perspektiven auf und ermöglichen psychosoziale Beratungsgespräche.“ Schutz und Sicherheit seien auch ein großes Thema. Frauen sind selbstbewusster. Heute fällt es Frauen leichter, über häusliche Gewalt zu reden als noch vor 20 Jahren. „Damals galt es als Kavaliersdelikt, seine Frau zu schlagen“, erzählt Grete Rackl. Frauen hätten im Stillen ausgeharrt und sich in ihr Schicksal gefügt. Im Vergleich zu früher seien das Selbstbewusstsein und der Wunsch nach Selbstbestimmung gestiegen. „Auch Frauen mit Migrationshintergrund, in deren Familien das patriarchale System noch voll gelebt wird, lassen sich nicht mehr alles gefallen.“ Komplexere Problemfelder. In den Anfängen der Frauenhäuser war die physische Gewalt das Zentralthema. Heute sind die Problemfelder vielfältiger geworden. „Die schwierige Situation am Arbeitsmarkt, psychische Probleme. Einige Frauen kommen aus Ländern, in denen Krieg geherrscht hat.“ Eines ist jedoch gleich geblieben: Viele der Frauen wünschen sich vor allem Schutz und Hilfe, um ein neues Leben ohne Gewalt und Angst beginnen zu können.