„Essen – Begegnen – Musizieren“ heißt es, wenn sich alle zwei Monate Frauen aus aller Welt in Vöcklabruck treffen. Ihre Begabungen und ihre Kulturen stehen dabei im Mittelpunkt. Die Begegnungen wurden im Mai mit dem Solidaritätspreis ausgezeichnet.
Ausgabe: 2012/26, Internationale Frauenbegegnung, Solidaritätspreisträgerinnen, Preisträgerinnen, Vöcklabruck
Rezada Ejupi singt wieder. Lieder aus ihrer Heimat, dem Kosovo. Der Krieg im ehemaligen Jugoslawien hatte sie zum Schweigen gebracht. Doch in der Frauengruppe hat sie neuen Mut gefunden. Rezada Ejupi ist eine der zehn Frauen, die die regelmäßigen Treffen der Internationalen Frauenbegegnung vorbereiten. Alle zwei Monate kommen Asylwerberinnen, anerkannte Flüchtlinge, Migrantinnen, die seit Jahren in Österreich leben, und Österreicherinnen zusammen. Die Abende finden meist im Mutterhaus der Franziskanerinnen statt, und sie sind beliebt: Um die 60 Frauen aus 15 Nationen erscheinen, vom Teenager bis zur 80-Jährigen, dazu zahlreiche Kinder. Dann summt die fröhliche Runde wie ein Bienenschwarm. Jede ist willkommen. „Ich wollte mit Frauen aus anderen Ländern in Kontakt kommen“, sagt Heidi Hurch-Idl vom Treffpunkt mensch & arbeit in Vöcklabruck. Seit bald fünf Jahren organisiert sie mit Roswitha Biberhofer und Alice Nnadi vom Integrationsbüro der Volkshilfe die Begegnungen. Nach all den Jahren sind sie immer noch begeistert von der Freude, mit der die Frauen an den Treffen teilnehmen. „Das Geheimnis des Erfolges ist, dass jede Frau in ihrer Eigenart willkommen ist“, sagen die drei hauptberuflichen Mitarbeiterinnen der Vorbereitungsgruppe. „Die Welt wird weiter, wenn man erfährt, wie es Asylwerberinnen geht und was sie gerne tun.“ Gelacht wird viel. Jeder Abend steht unter einem Motto wie „Frühlingsfeste“ oder „Hochzeit“ in den verschiedenen Kulturen. Die Frauen bringen Speisen und musizieren. Sie reden über Persönliches, über Amtswege und Deutschkurse. Sie lernen voneinander und sie lachen viel, auch wenn die Lebenssituation oft schwierig ist. Für manche Frauen ist es die einzige Möglichkeit, für einige Stunden rauszukommen. Dass in der Gruppe nur Frauen sind, macht es ihren Männern leichter, sie alleine ausgehen zu lassen. Einmal im Jahr unternehmen sie einen Ausflug. In Salzburg oder Bad Ischl sind sie dann nicht „Ausländerinnen“, sondern Touristinnen, und sie genießen diese Rolle.
Das Selbstbewusstsein stärken. Religion oder ethnische Herkunft stehen nicht im Vordergrund, sondern die gegenseitige Wertschätzung und die vielen Begabungen. Die kommen jedes Jahr beim Fest am 8. März, dem Internationalen Frauentag, zum Ausdruck. Mehr als 200 Teilnehmerinnen gestalten das Buffet und das Programm. Wenn afrikanische, tschetschenische oder bosnische Frauen spontan auf die Bühne gehen, tanzen und singen, dann ist die Stimmung ausgelassen. „Für mich ist es genug, wenn ich sehe, dass alle glücklich sind“, sagt Sanaz Shekarnikche aus dem Iran. Bevor sie die Frauengruppe kennengelernt hat, hatte sie oft mit Angst und Problemen zu kämpfen. Nun fühlt sie sich stark: „Die Frauentreffen sind das Beste, was mir passiert ist. Ich habe meinen Kopf gehoben.“
Internationale Frauenbegegnung Vöcklabruck
Sie wird vom Integrationsbüro der Volkshilfe, vom Treffpunkt mensch & arbeit der Diözese Linz sowie durch Spenden finanziert. Das Projekt ist bereits Thema von Vorträgen und wissenschaftlichen Arbeiten.
Die Treffen finden alle zwei Monate statt, das nächste Mal am Freitag, 5. Oktober 2012, um 17 Uhr im Mutterhaus der Franziskanerinnen Vöcklabruck. Kontakt: Treffpunkt mensch & arbeit Vöcklabruck, Tel. 07672/220 36, E-Mail: mensch-arbeit.voecklabruck@dioezese-linz.at