„Wer bei uns die große islamische Gefahr heraufbeschwört, tut dies gegen jede politische Wirklichkeit und schürt – möglicherweise unbewusst – Ängste und bedient Sehnsüchte nach einfachen Welterklärungen.“ Der bekannte Publizist Prof. Heinz Nußbaumer charakterisierte bei der Begegnung für Unternehmer/innen und Führungskräfte am 21. Juni im Stift St. Florian das Verhältnis der „westlichen“ Welt und des Christentums zum Islam. Das Forum Christ und Wirtschaft hatte dazu eingeladen. Nußbaumer gilt als politischer Experte für islamische Länder. Er ortet Ängste und große Ratlosigkeit in den islamischen Ländern, wie man auf die Folgen der Globalisierung reagieren soll. Der Islam sehe sich in der Weltpolitik als der Verlierer. Als eine Kernfrage für den Weltfrieden sieht Nußbaumer die Frage, ob der Nahostkonflikt gelöst werden kann. „Ich hoffe und bete, dass Israel endlich erkennt, wer seine wahren Nachbarn sind und dass man den Palästinensern auf gleicher Augenhöhe begegnen muss.“ Christentum und Islam müssten aufhören, sich gegenseitig in verzerrten Schreckbildern zu erkennen. Man könne nicht die Ideale der einen mit den Zerrbildern der anderen vergleichen. Die breite Mehrheit im Islam – so Nußbaumer – wäre für die Grundwerte etwa der europäischen Länder offen, und sie hätten keine gravierenden Probleme mit dem eher liberalen Lebensstil in Europa. Die Grundprinzipien der Menschenrechte müssten allerdings eingefordert werden. Die große Herausforderung in Österreich sieht Nußbaumer im Organisieren eines gemeinsamen alltäglichen Lebens, weniger im Dialog.