Grundsätzllich zähle ich mich wirklich zu den Tierfreunden. Ich lebte jahrelang mit Hund, Katzen und Hasen friedlich unter einem Dach. Aber für jedes Tier muss auch die Umgebung passen. Und ich finde eben nicht, dass sich eine Horde Ameisen ausgerechnet in meiner Küche, in meinem Geschirrspüler niederlassen muss. Als gelernte Tierfreundin habe ich alle erdenklichen Maßnahmen ausprobiert, um die Krabbler unbeschadet wieder ins Freie zu bekommen. Ich verströmte diverse Gerüche (die sie angeblich nicht mögen) – meine Ameisen waren leider auch von Essig, Zitronensaft und allen Arten Kräutern hellauf begeistert. Ich kehrte und wischte übereifrig jedes Bröselchen von Tisch und Boden, überklebte den Pfad der Eindringlinge mit Doppelklebestreifen und versuchte es mit einer Vielzahl an mechanischen Barrieren. Die Erfolge waren immer nur kurzfristig. Drei Morgen lang kam ich frisch geduscht zum Frühstück und war bereits nach fünf Minuten wieder hektisch verschwitzt beim Putzen. Allein mit dem Ungeziefer, da der Rest der Familie auf Dienst-, Matura- oder Studienreise ist, zog ich entnervt die chemische Notbremse. Das Ameisenvölkchen hat sich nun vorläufig auf meine Balkonkräuter zurückgezogen. Dort planen sie bestimmt ihren nächsten Angriff.