Es gibt gute Tage. Die Stimmung am Morgen ist gelöst, der Tagesablauf reibungslos und abends hat die Müdigkeit etwas Wohliges. Und es gibt Tage, an denen passiert Unangenehmes im Stundentakt. Dann heißt es, Nerven bewahren. Vor einiger Zeit war die Freude groß – ich darf Elina Garanca interviewen! Punkt zehn Uhr, zum ausgemachten Zeitpunkt, wähle ich die Mobilnummer der Opernsängerin. Sie hebt ab, und im selben Augenblick beginnt im Stockwerk unter der Redaktion ein Bohrer zu dröhnen. Ich schwitze, doch Frau Garanca bleibt ruhig und wir führen das Gespräch zu Ende. Auf der Heimfahrt droht das Auto auseinanderzufallen. Die Bremsen quietschen, der Auspuff scheppert, das Licht geht nicht. Zu Hause ist ein Warmwasserrohr undicht und verspricht eine schmerzhafte Wasserrechnung. Diese Neuigkeit lässt mich kurz vergessen, dass das Backrohr nicht mehr heizt.
Es gibt weniger gute Tage. An denen weiß ich nicht, wen ich zuerst um Hilfe bitten soll (Mechaniker, Installateur oder doch eine Therapieeinrichtung?). Und es gibt gute Tage. Dann erzähle ich meine Missgeschicke wie einen guten Witz. Gelassenheit, das erkenne ich zunehmend, macht das Leben erst richtig schön.