"Der König schlägt den Unter", heißt es beim Kartenspielen. Auch in der Kirche neigen die Leute zu dieser Haltung. Wer nur nach oben hört, „über-hört“ jedoch Vieles. Leitartikel von Matthäus Fellinger
Mehr am Papst? Am Katechismus? An den Bischöfen? An Theologinnen und Theologen? Mehr an der Bibel? Am eigenen Gewissen? An wem und woran man sich in Glaubensangelegenheiten orientieren soll, ist gar nicht so einfach. „Der König schlägt den Unter“, heißt es beim Kartenspielen. Also neigen Leute auch in der Kirche dazu, Antworten von sehr weit oben zu erwarten: aus der Hierarchie, von berühmten Persönlichkeiten, von hoch-offizieller Seite. Ob nicht Jesus, als er die Nächstenliebe so hoch ansiedelte, das auch in Bezug auf den Glauben gemeint hat? Dass man den Nächsten und die Nächste auch als die wichtigste Person nimmt, mit der man seinen Gottesglauben zur Sprache bringt? Glaube und das Reden darüber ist zu sehr zum Expert/innen-Gespräch geworden. Gerade in den oft gepriesenen alten Zeiten haben Leute nur sehr selten ein Wort vom Papst gehört. Es gab ja kein Radio. Vorläufer des Katechismus gab es erst im 16. Jahrhundert. Aber Mütter gab es und Väter, Kinder und Nachbarn. Verwandte, Fremde, die man gelegentlich traf. Pfarrer gab es, Gemeinden auch. Wer nur nach oben hört, „über-hört“ zu leicht, was Gott ihm durch seine Nächsten zeigen will. „Nächste“ sind immer da.