Heilige sollen Vorbilder sein. Bei einem mittelalterlichen Herrscher ist das schwierig: Viele Handlungen Kaiser Heinrichs II. sind nur im Kontext seiner Zeit verständlich. Die Verbindung des Kaisers mit der Kirche war vor allem ihm von Nutzen und hat bald nach seinem Tod Probleme bereitet (Investiturstreit). Heinrich war ein Machtpolitiker, der Kriege geführt und Gewalt ausgeübt hat. Glaubhaft ist trotzdem, dass er sich privat um ein frommes Leben bemühen und dem auch Ausdruck verleihen wollte: Heuer vor genau 1000 Jahren wurde der Bamberger Dom, eine Stiftung Heinrichs, geweiht. Damit wollte der kinderlose Kaiser „Christus zu seinem Erben machen“.Wenn wir „Erbe“ nicht materiell verstehen, ist Heinrich doch ein Vorbild: Im übertragenen Sinn machen wir alle an unserem Lebensende Christus zu unserem „Erben“: Wir übergeben ein Leben, in dem uns die Nachfolge Jesu bestenfalls teilweise gelungen ist. Und wie Heinrich hoffen wir, dass Christus das „Erbe“ annimmt.