Riccardo Zoidl (24) steht am Sprung zu einem ausländischen Rad-Profiteam. Dabei hätte er seine Karriere vor vier Jahren fast schon an den Nagel gehängt. Nach den vergangenen Dopingskandalen sei im Radsport aber vieles besser geworden.
Ausgabe: Dopingskandalen, 2012/29, Riccardo Zoidl, Radprofi, Radsport, Sport
17.07.2012
- Paul Stütz
Mit guten Platzierungen hat Riccardo Zoidl Anfang Juli bei der Österreich-Radrundfahrt einmal mehr aufgezeigt. Für Radsportfans ist der 24-jährige Goldwörther nach dem Staatsmeistertitel im Einzelzeitfahren und sechs Saisonerfolgen in der heimischen Tchibo Top.Rad.Liga sowieso kein unbeschriebenes Blatt mehr. Und zu Hause in Goldwörth und Umgebung kann es schon vorkommen, dass Autofahrer hupen, weil sie Riccardo Zoidl beim Radtraining erkannt haben. Alles läuft in diesem Jahr bisher nach Plan für den jungen Athleten. So will der Goldwörther nächstes Jahr den Sprung zu einem Team ins Ausland schaffen. Als Fernziel hat er Olympische Spiele und die großen Rundfahrten wie Giro und Tour de France im Visier. Möglich gemacht hat ihm den Aufstieg auch die professionelle Struktur seines Teams Gourmetfein Wels, bei dessen GesmbH Zoidl angestellt ist und sich so ganz auf den Sport konzentrieren kann.
Fast mit Radsport aufgehört. Dabei hatte er noch vor vier Jahren ernsthaft darüber nachgedacht, mit dem Radfahren aufzuhören. „Ich habe mich teilweise verarscht gefühlt, wie mir manche Fahrer um die Ohren gefahren sind“, erzählt Riccardo Zoidl. Für ihn selbst sei immer klar gewesen: „Ich schaue: Wie weit kann ich ohne Doping kommen? Wenn ich anstehe, lasse ich es bleiben.“ Die Vermutung lag nahe, dass einige dieser wundersam schnellen Fahrer mit unerlaubten Mitteln nachgeholfen haben. Sicher ist, dass der Ruf der österreichischen Pedalritter 2008 an einem Tiefpunkt angelangt war. Der Niederösterreicher Bernhard Kohl, der sensationelle Ergebnisse bei der Tour de France schaffte, wurde kurze Zeit später des Dopings überführt. Schon 2009 sei durch strengere Kontrollen vieles besser geworden, meint Riccardo Zoidl, was ihm die Fortführung der Karriere leicht machte „Das zeigt sich auch daran, dass es keine übermächtigen Fahrer mehr gibt und alles enger beeinander liegt.“ Den Unterschied zwischen einzelnen Rennfahrern macht weniger das Trainigspensum als die Rennhärte aus, betont Riccardo Zoidl. Momentan bestreitet er pro Saison 50 Rennen, 100 Rennen sind es auf internationalem Top-Niveau. „Entscheidend ist, viele harte Rennen zu fahren. Und wer sich am meisten quälen kann, gewinnt.“ Das sei jedoch in jeder Sportart so. 30.000 km. Beeindruckend ist das Pensum, das Riccardo Zoidl jedes Jahr abspult: 25.000 bis 30.000 Kilometer sitzt er auf dem Rad. „Ich fahre bei jedem Wetter. Außer es liegt Schnee“, sagt Zoidl, der ohne eigenen Trainer auskommt. Viel umherzukommen, macht für ihn einen großen Teil der Faszination des Radrennsports aus. Und die Kollegialität unter den Sportlern: „Das ist beim Radfahren schon besonders. Man kann sich zuerst im Rennen bekriegen und nachher ist man wieder befreundet. Es läuft alles sehr fair ab.“