Es ist wie beim Verlieben. Da fragt einer nicht: ist der Blutdruck in Ordnung? Passen Insulinspiegel und Leberwerte, und wie sieht es mit dem Zustand des Skelettes aus? So wichtig solche Werte für das Leben auch sein mögen, wenn es um das Verlieben geht, bleiben solche Details am Rande. Menschen zeigen sich von der besten Seite. Charme. Schönheit. Das zieht und mutet an. Im Lauf des Lebens mögen sich die Probleme wie Knochengerüst, Insulinspiegel und anderes in den Vordergrund drängen. Die Liebe erträgt es, solange zwischen Runzeln und Falten die Anmut zum Leuchten kommt. Mit der Kirche tun sich viele zurzeit schwer. Sie sehen die Runzeln, die Falten, Verkalkungen des alt gewordenen Körpers. Die Anmut, die sie einmal in Bann gezogen hat, verlieren sie aus dem Blick. „Ich werfe dir vor, dass du deine erste Liebe verlassen hast!“ Dieser Vorwurf trifft in der Bibel die christliche Gemeinde von Ephesus. Eine Gemeinde, die sich in großen Turbulenzen befand. Vieles lag im Argen. Man sah das Gute nicht mehr – den Ursprung. Sie machten sich nicht mehr die Mühe, das Gute neu aufzuspüren und zu wecken. Die Anmut ist es, die auch die Kirche trägt, nicht das Knochengerüst.