Zu seinem 20-Jahre-Priesterjubiläum predigte der Vöslauer Imam Hizir Uzuner in seiner Pfarrkirche. Dechant Martin Rupprecht ist einer, der gerne Mauern überwindet.
Auf sein Primizbild schrieb der geborene Oberpfälzer Martin Rupprecht das Psalmwort „Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“. Manchmal springt er wirklich – ins kalte Wasser oder eben über Mauern, etwa wenn er mit dem Vöslauer Imam Hizir Uzuner einen „Kanzeltausch“ macht oder wenn er sich mit den sieben Pfarren des 15. Wiener Gemeindebezirks als erstes Dekanat auf den Weg des diözesanen Reformprozesses wagt. Viel öfter als große Sprünge macht Rupprecht viele kleine konkrete Schritte, um Mauern zu überwinden. Er ist überzeugt davon, dass sich in der Praxis des gemeinsamen Tuns leichter neue Wege und Veränderungen auftun, als wenn man lange herumtheoretisiert. Gelernt hat er das auch in seiner Studienzeit, als er in Wien in Einrichtungen von P. Georg Sporschill für Obdachlose und Haftentlassene gearbeitet hat. Berufung. Sporschill war auch der Anstoß, dass Rupprecht noch vor seiner Priesterweihe 1992 mehrfach an der dreimonatigen „Bibelschule“ in der Türkei teilnahm. „Das waren“, so sagt er, „die ersten Schritte zu meiner zweiten Berufung, der Förderung der christlich-islamischen Begegnung.“ 1994 kam Rupprecht nach Wien, um mit Sporschill in Floridsdorf eine neue Pfarre aufzubauen. „Aber Georg war bald wieder weg, das war nicht sein Ding.“ Nach fünf Jahren in der Seelsorge entschloss sich Rupprecht, noch einmal für ein Jahr in die Türkei zu gehen und auch die Sprache zu lernen, „denn erst dann begreift man die Seele der Menschen.“ Seit 2000 hat er neben seiner Pfarrarbeit die christlich-islamische Begegnung aufgebaut (s. Panorama).