Kopf Der Woche: Dr. José Casanova, Religionssoziologe
Der theologische Preis der Salzburger Hochschulwochen ging am 8. August an den US-amerikanischen Religionssoziologen José Casanova.
Ausgabe: 2012/31, Dr. José Casanova, Religionssoziologe, Religionen, Saragossa, Innsbruck, New York, Religionenpluralismus
01.08.2012
- Susanne Huber
„Wir müssen lernen, dass alle Religionen zusammenleben“, sagt José Casanova in einem Furche-Interview. „Wer nach Amerika einwandert, kann alles andere zurücklassen, aber nicht seine Religion. Durch ihre Religion werden sie mehr Amerikaner. Je religiöser sie sind, desto bessere Amerikaner werden sie. In Europa wird ihnen das Gegenteil unterstellt. Wer seine Religion mitbringt, kann nie ein richtiger Europäer werden. Das ist das große Problem“, so Casanova weiter. Seit Jahrzehnten setzt sich der Religionssoziologe mit dem Verhältnis von Religion und Moderne auseinander und gilt als weltweit führender Wissenschafter in der Religionssoziologie.
Leben. José Casanova wurde 1951 im spanischen Saragossa geboren. Nach dem Studium der Philosophie, der katholischen Theologie und der Soziologie in Saragossa, Innsbruck und New York lehrte er an der New Yorker „New School for Social Research“. Casanova ist Professor für Soziologie an der Georgetown University in Washington D.C. und er leitet das Programm „Globalization, Religion and the Secular“ am Berkley Center. Seine Veröffentlichungen zu Religion und Globalisierung, Migration, Religionspluralismus, transnationalen Religionen und Theorie der Soziologie zählen zu Standardwerken der Soziologie, Religionswissenschaft und Theologie. Casanovas bekanntestes Werk „Public Religions in the Modern World“ wurde in fünf Sprachen übersetzt und zeigt anhand soziologischer Untersuchungen, wie Kirchen, „die sich offen und kreativ auf die Bedingungen der Moderne einlassen, an Authentizität und Autorität in der Gesellschaft gewinnen“.