Antiislamische Rhetorik wird für politische Zwecke verwendet. So zum Beispiel der Bau von Minaretten.
Ausgabe: 2012/31, Vorurteile, Integration, Nils Muiznieks, FRA, Diskriminierung, 11. September, Politik
01.08.2012
Der Europarat hat europäische Regierungen für ein Bedienen von antiislamischen Klischees kritisiert. Dadurch würden gesellschaftliche Vorurteile geschürt und Muslimen in Europa eine Integration erschwert, erklärte der Menschenrechtskommissar des Europarates, Nils Muiznieks. Er bezieht sich auf aktuelle Untersuchungen von Nichtregierungsorganisationen und anderen internationalen Vereinigungen. Einer Studie der Europäischen Grundrechte-Agentur (FRA) zufolge wurde jeder dritte Muslim in den vergangenen zwölf Monaten Opfer von Diskriminierung. Muslimische Frauen fühlten sich bei der Jobsuche wegen des Trageverbots von religiösen Symbolen in verschiedenen europäischen Ländern entmutigt. Muiznieks fordert die Regierungen auf, diese Vorurteile zu bekämpfen und sich gegen Diskriminierungen und für Religionsfreiheit einzusetzen. Nicht nur Politiker rechtsextremer Gruppierungen, sondern auch Mainstream-Parteien benutzten antiislamische Rhetorik für ihre politischen Zwecke. Als Beispiel nannte Muiznieks den Schweizer Volksentscheid von 2009 gegen den Bau von Minaretten. Dem sei eine Rhetorikkampagne vorausgegangen, die Vorurteile gegen Muslime geschürt habe. Seit den Terroranschlägen des 11. September 2001 sei der Islam in der öffentlichen Meinung untrennbar verknüpft mit Terrorismus, hieß es weiter. Das führe dazu, dass Polizisten, Zollbeamte oder Grenzschützer Muslime nur aufgrund ihrer optischen Erscheinung kontrollierten. Die Regierungen müssten gegen diese Diskriminierung vorgehen.