Ausgabe: leitartikel, franz jägerstätter, todestag, nationalsozialismus, meinung, 32/2012
08.08.2012
- Josef Wallner
Diese Ausgabe der KirchenZeitung trägt das Datum vom 9. August – dem Todestag des seligen Franz Jägerstätter. Wenn man aus diesem Anlass in seinen Schriften blättert und liest, staunt man immer wieder, wie klar er den Nationalsozialismus durchschaut hat. Er verstand es im Unterschied zu vielen anderen, die „Zeichen der Zeit“ zu deuten. Zeichen der Zeit – ein viel gebrauchtes Wort, von Papst Johannes XXIII. geprägt – das in der Folge des 2. Vatikanischen Konzils oft verwendet wird. Jägerstätter hatte weder Visionen und Erscheinungen nötig noch hatte er besondere Informationsquellen, die anderen nicht zur Verfügung gestanden wären, um die Zielsetzungen des National-sozialismus zu erkennen. Ihn zeichnet ein klarer, unverstellter Blick aus. Er ließ sich seine Sicht auf die Wirklichkeit nicht verstellen durch Karrierestreben oder durch anfangs kleine Kompromisse, die später aber doch kein Zurück mehr ermöglichten. Selbst eine scheinbar unbedeutende Sammelbüchse für das NS-Winterhilfswerk war ihm Anstoß, die Bedeutung einer Spende bis in die letzte Konsequenz durchzudenken. Darüber hinaus hat ihm das intensive Gebet geholfen, klar zu sehen und zu denken. Daran soll uns sein Todestag erinnern.
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